Archiv für November 2010

Und Tschüß hab ich gesacht…

Pünktlich zum ersten Advent, trotzdem mindestens 100 Tage zu spät. Und clever der Zeitpunkt, den Austritt der GAL aus der Hamburger Koalition zu verkünden. Populismus? Gunst der Stunde nutzen? Also bitte… Ob der Hamburger Spießbürger den Grünen verzeiht? Bestimmt. Die Baumretter und Bahnhofverhinderer sind ja bundesweit grad richtig im Kommen. Aber warten wir doch den 20. Februar ab.

Sad Toyz Leverkusen

Bayer 04 – Meine Güte…
Bitter der Spielverlauf, unnötig die Niederlage; zu viele mittlerweile, zu früh in der Saison. Serien, egal ob negativ oder positiv, enden und starten willkürlich meist und ohne erkennbare oder im Ansatz nachvollziehbare Entwicklung. In den folgenden Interviews wird der Konjunktiv zur Triebfeder der verbalen Auslassungen. Fragt mal in Mainz nach. Holger Stanislawski hatte nie Match-Pläne im Vergleich zu Tuchel. Vielleicht doch, nur er nennt das sicherlich anders. „Auf den Gegner zugeschnittene taktische Vorgaben“ wahrscheinlich. In der Theorie spielt der FCSP dann so: Kessler kurz zu Zambrano, der auf Lehmann/Daube, Asamoah bekommt den Ball am Mittelkreis, Arsch raus, ab auf links oder rechts außen, Tempodribbling, Gegner überlaufen, flanken, Ebbers in der Mitte netzt ein/staubt ab/legt vor. Das ist jedoch weder auf den Gegner zugeschnitten noch besonders variabel, zudem seit dem 6. Spieltag überall bekannt. Es ist schlicht und ergreifend neben dem langen Ball nach vorne, den Ebbers mit dem Hinterkopf zum gegnerischen Torhüter verlängert, die einzige Angriffsvariante. Um das so zu spielen brauchst du einen Torjäger und einen technisch versierten Ballverteiler im Mittelfeld. Beides ist seit jeher nicht übermäßig vorhanden am Millerntor. Wir haben schnelle Außen, die aufgrund ihrer Statur von gewonnen Kopfballduellen jedoch so weit weg sind wie die Stellinger vom internationalen Geschäft. Trotzdem, es gibt noch genug Deppenteams, die uns auf den Leim gehen werden.

Zurück zum Gegner. Wenn ein Team schon so dermaßen ekelhaft-guten Fußball spielt wie die Werkself und das eigene Team in Hälfte eins aber sowas von Scheiße aussehen lässt, sucht man sich die wunde Stelle und streut dann schippenweise Salz rein. Was fällt einem negatives zu Leverkusen ein? Stadtrand/Parkplatz von Köln? Geschenkt. Rudi Völlers Frisur? Also bitte. Osram Heynckes? Alter Hut. Nie deutscher Meister? Ja, eher im Rückspiel. Aber es geht in die richtige Richtung. Was der Anhang von Bayer 04 im Gästeblock während der 90 Minuten veranstaltete war schon großes Kino. Eher ein Stummfilm, denn außer „Scheiss St. Pauli“ und „Hurensöhne“ kam akustisch wenig an von den Rheinländern. Aber dafür konnte sich das optische Programm durchaus sehen lassen: Ein etwas größerer Doppelhalter, der Che Guevara als Punktelieferant für die eigene Mannschaft darstellte und fünf Bengalen/Blinker. Heidewitzka, Herr Kapitän. Dazu noch eine Rauten Fahne und ordentliches Zaungerüttel. Ist das alles erbärmlich. Anfang 20jährige mit Billabong Caps und Adidas-Jogger halten sich für die Könige der Welt und bedienen jegliches Klischee über dumme deutsche Ultras. Witzig wird es, wenn sich jemand von diesem Pack dann bereit fühlt für höhere Philosophie. Gruppenmeinung, Erklärung, Stellungnahme oder Neuigkeit sind Vokabeln solch geistiger Inkontinenz, die Kritik an der Ultra-Bewegung in Deutschland so furchtbar einfach machen. Leverkusen bildet sicherlich mit die Speerspitze, wobei es so breite Speere gar nicht gibt um dieses Bild aufrecht zu erhalten. Beispiele finden sich auf der Homepage der Ultras genügend. Nachdem die Ultras das Wahrzeichen der Stadt, das Bayerkreuz, erfolgreich retten konnten (Tradition -> Brauner Lederball! Lorbeerkranz! Spieler aus‘m ersten Weltkrieg in schwarz-weiß Portraits!) taten sie sich auch zunehmend in relevanten Fanthemen hervor.

Konsequent sein (Pyrotechnik):

Während wir das Abschießen von Leuchtkugeln in Richtung Spielfeld oder andere Zuschauer natürlich verurteilen, denken wir dennoch, dass beim Zünden von Bengalfackeln absolut nicht von „schweren Ausschreitungen“ die Rede sein kann, sondern es sich hierbei immer noch um ein optisches Mittel des Supports handelt, das erst durch die immer schlimmer werdende Medienhetze in diese kriminelle Ecke gerückt wird.

Ein rechtsstaatliches Bewusstsein verinnerlichen (Stadionverbote):

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Straftäter die nach dem Gesetz verurteilt sind, müssen völlig zurecht bestraft werden. Stadionverbote hingegen werden präventiv ausgesprochen.

Stil beweisen (0815-Fahrten):

Immer die Relation erkennen (Durchsuchungen):

Guantanamo BayArena? In Anlehnung an die massiven Menschenrechtsverletzungen, welche sich im „Krieg gegen den Terror“ auf Kuba im „Guantanamo Bay Prison“ abgespielt haben, wollen wir überspitzt darauf aufmerksam machen, dass selbige „Inspektionen“ der Frankfurter Frauernkörper schon ähnliche Züge annehmen. Wenngleich die Geschehnisse auf Kuba, ohne Frage, eine weitaus schlimmere Form der Menschenrechtsverletzung verkörpern, müssen wir uns fragen, wie unsere Zukunft als Fans beim Betreten eines Fußballstadions aussieht.

Auch mal was für’s Auge (Sexismus):

Und trotzdem niemals den Spaß verlieren:

Was für eine Melange. Fehlt nur noch eine Erklärung zum Thema Politik, die ich leider nicht finden konnte. Von wegen „finden beide Extreme Scheiße…Hauptsache alles für dein Verein“. Falls ihr drauf stoßt, bitte in die comments. Danke Bayer, eure Szene macht Mut. Mut für die schwierigen sportlichen Aufgaben, Mut, die Bundesliga doch zu halten, um das alles nächstes Jahr nochmal erleben zu dürfen. Die ärmste Sau ist Bastian Oczipka, der nächstes Jahr wieder von sowas angefeuert werden könnte…wenn er sich falsch entscheidet. Das Schöne: Er kann selber etwas dafür tun, nächstes Jahr am Millerntor erstklassig zu spielen. Müssen nur noch die anderen Zehn mitmachen…