Archiv für Juli 2011

Märchenwald


Für mich das Highlight des Spiels SGD gegen FCH: Der Pittiplatsch-Schwenker von UD (für alle Wessis: rechts über dem O ;) ). Ich hoffe, den gibt’s bald auch noch mal als Einzelbild.
Auch schön: LOVE DYNAMO, HATE RACISM

Intro von Hansa satt und bunt.

Eric war da, wenn die Tage was von Dynamo kommt wird es hier nachgetragen. Ist ja alles immer sehr subjektiv.

UPDATE:
Da hofft man auf nen weiteren Bericht und bekommt nur 3 Fotos. Naja, immerhin den Märchenaspekt mit dem Pittiplatsch abgedeckt.

Aber mögen, mögen wir dich nicht…


Die fünf Gebote betreffend Manuel Neuer, für die die Schickeria München hauptverantwortlich gemacht wird, beschäftigen seit Tagen die deutsche Presselandschaft. Motto: Wir beschweren uns in täglich erscheinenden Medien darüber, dass in täglich erscheinenden Medien berichtet wird. So kocht man standesgemäß eine Sache runter…Die BILD kaspert sich seit drei Tagen in unerträglichen Wortspielen an „ultra“ ab, die Süddeutsche nimmt’s mit Humor, die Titanic ist noch humoriger unterwegs. Inhaltliche Auseinandersetzung bisher Fehlanzeige. Mir selber fällt auf, dass ich bei der ganzen Diskussion um Manuel Neuer extremen Fremdscham verspüre, sobald da wieder irgendwelche Zettel oder Tapeten hochgehalten werden. Und auch dieses ergebnisorientierte Rumsitzen an runden Tischen ist so Lokalpolitiker-Deutsch, da kann doch nichts Gutes bei rum kommen. Eben jene Folklore findet sich leider auch in den Stellungnahmen der Ultras des FCB wieder. Das Verständnis von modernem Fußball, auch wenn man ihn noch so vehement ablehnt, sollte doch erfordern, sich solche Sätze zu schenken:

Lieber nen x-beliebigen Söldner bzw. Nomaden aus dem Wanderzirkus Fußball, als ausgerechnet nen Schalker „Ultra“!

Wanderzirkus Fußball, Söldner, Nomade -mit was für Begrifflichkeiten da um sich geworfen wird, alle Achtung. Ein Blick in den aktuellen Bayern-Kader als auch auf die nicht all zu ferne Transferpolitik zeigt, dass da, um im Vokabular der Schickeria zu bleiben, einige Problemfälle unterwegs sind:

Beispiel 1: Franck Ribéry:


Zu dem ständig verletzten Franzosen gab es bisher keinerlei Äußerungen. Das eben jener neben dem Bayern- und Marseille-Logo auch gerne mal minderjährige, extra eingeflogene Prostituierte küsst und tätschelt ist bekannt, aber keine Auseinandersetzung wert. Warum eigentlich?

Beispiel 2: Rafinha


Das nächste faule Ei im Nest. Noch nen Schalker. Zwar kein UGE-Mitglied und zwischendurch in Genua aktiv, aber Mitglied im Knappenchor. Bezeichnet sich selbst als Spießer und Schalke 04 als seine große Liebe, darf wegen Ersterem künftig die Lederhose spazieren tragen.

Beispiel 3: Lukas Podolski

Mittlerweile ist der Dummbatz wieder ein Geißbock, doch schon vor seiner Vetragsunterschrift in München war bekannt, dass er Kölner „durch und durch ist“. In München interessierte das noch nicht einmal den Typen, der für Klinsmann die Buddhafiguren aufstellte.

Beispiel 4: Ivica Olic

Olic wird für seine aufopferungsvolle Art Fußball zu spielen geliebt. Technisch äußerst limitiert führt sein Weg in die Partie über den Einsatz. Blut-und-Boden Romantik der Moderne. Küsst auch gerne fremd.

Ein, national wie international, erfolgreicher Fußballclub wie der FC Bayern München ist, mangels eigener, vereinsinterner Philosophie, stets darum bemüht, die besten Spieler unter Vertrag zu nehmen, um weiterhin den Trophäenschrank füllen zu können. „Eigengewächse“ wie der von der Schickeria selbst angeführte Bastian Schweinsteiger als auch Diego Contento oder Holger Badstuber sind dabei höchst selten. Letztere verdanken ihren Platz im Team auch nur Louis van Gaal. Sonst niemanden. Diesen Spielern wird nachgesagt, durch ihre „Treue“ zum Club dessen „Werte“ zu verkörpern.

Die Rückbesinnung auf traditionelle Werte gewürzt mit einer Überidentifikation treibt in der Bundesliga mittlerweile immer abstraktere Blüten. Erst jubelten Torschützen nicht mehr nach Treffern gegen ihre jeweiligen Ex-Clubs (ein Schwachsinn, den Podolski einführte und der mittlerweile zum Glück wieder aus der Mode kommt), dann wollten/wollen Bundesligisten Texte auf Trikots aufdrucken lassen, die sie scheinbar aus Landser-Heften kopiert haben (Nürnberg: „Es ist eine Ehre für diese Stadt, diesen Verein und die Bewohner Nürnbergs zu spielen.
Möge all dies immer bewahrt werden und der großartige FC Nürnberg niemals untergehen.
“, Hannover: „Mit Stolz trage ich dieses Trikot, ob auf dem Platz oder in der Kurve. Niemals allein für unsere Stadt, für unseren Verein, für unsere Leidenschaft, 96 – Du wirst niemals untergehen!“). Krönung des Ganzen: Mangels ausreichender Identifikationsfiguren wird kurzerhand jeder Spieler, dessen Vertrag nach 5 Jahren nicht mehr verlängert wird, zeremoniell in die ewige Ruhmeshalle der Kurve aufgenommen. Pasanen, Dedê, Demichelis – um nur einige Beispiele zu nennen.

Klebriger Pathos, der auch in der Diskussion mit Manuel Neuer aufkam (der Nürnberg-Freund, der der NachwuchsKRAFT im Tor den Platz raubt). Dieser hat sich in der Vergangenheit bezüglich der Fans des FCB nicht selten richtig dumm und respektlos verhalten. Er erntet nun das, was er gesät hat. Das die Ernte so reichhaltig ausfällt, liegt auch an einem sehr stark ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis der Schickeria und einem straighten Verständnis von Ultrá. Diesmal schießen sie mir zu sehr über das Ziel hinaus. Die Mitglieder von UGE sind, was dieses Thema betrifft, weiter:

Manuel hat uns schmerzlich bewiesen, dass wir unseren Glauben nicht zu sehr an Spieler verschenken sollten. Betrachten wir Spieler als das was sie fast alle sind, Berufssportler, die zeitlich begrenzt das königsblaue Trikot tragen dürfen!

Tapetenkompatibler (sogar mit Reim): Die Moral von der Geschicht‘ – es ist nen Job, mehr nicht.

P.S.: Was ich wirklich mal innovativ fände, wäre diese ganze Humba-Uffta-Scheisse ALLEN Spielern zu verbieten!

Die Unerträglichkeit des Seins

Viele Spieler sagen, bevor sie ins Ausland oder zu Bayern München wechseln, sie suchen eine neue Herausforderung und würden sich auch regional gerne mal verändern. Leider sind solche Sätze meist nur talentierten und erfolgreichen Spielern vorbehalten, die die Qual der Wahl haben. Unerfolgreichere Gestalten müssen sich schon damit zufrieden geben, bei Energie Cottbus einen zweiten Probetrainingstag zu erleben. Um ihrer Individualität trotzdem Ausdruck zu verleihen, lassen sie sich tätowieren. Was dabei so alles schief gehen kann, erfuhren knapp 10.000 Besucher am Samstag in Lübeck.




Höhepunkt:

Den äußerst viel versprechenden Track „Sascha Kirschstein – döp döp döp“ gibt es leider nicht mehr auf der Homepage der Chosen Few. Schade, hätte das gerne noch musikalisch untermalt. Faust zum Gruß an einen Genossen, als Dank für die Bilder.

Keep in mind…#4

Lübeck hamburgisieren


Günter Grass (83) saß gedankenverloren in seinem Garten, stopfte sich seine Pfeife und blätterte unbeholfen im Feuilleton der FAZ. Neben ihm lag ein Notizblock aus weißem Papier, auf dem hastig der Satz gekritzelt war, von dem er annahm, dass er die Zeit überdauern, der Jugend eine Lehre und den Betroffenen eine Erklärung sei – so wie es seine Sätze bisher immer waren. Noch einmal überlegte er, ob er noch etwas hinzufügen musste; es würde nichts mehr ändern. Er sah es als die passende Antwort auf das längst überfällige Samstagsszenario an; erinnern bedeutet immer auswählen, am kommenden Montag ist sein Satz die Zierde jeder Zeitung, um das Erfahrene zu begreifen:
„Mein Herz konnte sich nicht rühren, als Lübeck bombardiert wurde.“

Rassenfeindlichkeit und Reisemängel

BILD online – unbezahlbar. In irreführenden Transferperioden ist das Portal der Fels in der Brandung, der sicherste Lieferant für Klatsch und Tratsch. Am meisten amüsiert die Berichterstattung über den FCB, die scheinbar häufig frequentiert wird, anders lassen sich die nichtssagenden Fotostrecken über Manuel Neuer und Nils Petersen nicht erklären. Dazu diese Gerüchte…Adebayor, Reus, Juan und wer da sonst in Europa nicht schnell genug fliehen konnte – köstlich. Irgendwann hat man sich aber auch durchgeklickt und das letzte Grinse-Kloppo-Bild inklusive Untertitel (irgendwas mit geil oder mega) weggeklickt, ab zur Inlandsberichterstattung.
Die ganze Welt liegt in Schutt und Asche, alles haut sich die Köppe ein (mit unserem Geld!) und hier ist Friede, Freude, Eierkuchen? Von wegen!

Ein Polizist: „Es gibt mehrere Hinweise auf rassenfeindliches Verhalten gegenüber Deutschen.“ War ihr Motiv also Deutschen-Hass? Laut Zeugenaussagen sollen die Männer ihr Opfer als „Scheiß-Nazi“, „Scheiß-Glatzkopf“ und „Scheiß-Deutscher“ beschimpft haben. Zunächst hatten sie behauptet, Marcel R. habe sie fremdenfeindlich beleidigt, ihnen den Hitler-Gruß gezeigt. Alles ausgedacht! Denn: Einer der Schläger sagte später aus, man habe sich beim Einstudieren dieser Lüge totlachen müssen.

Was ist passiert? Kurz und bündig: 4 Kids haben nen Maler ins Koma gehauen, die BILD spielt wieder einmal den Anwalt der kleinen Leute – alles wie immer?! Fast, denn in diesem Artikel wurde ganz geschickt der Begriff „Rasse“ untergebracht, natürlich als Zitat verpackt und gekennzeichnet. Was seit Sarrazin verklausuliert werden musste, darf sich scheinbar endlich Bahn brechen. Die BILD scheint ernsthaft besorgt um den deutschen Volkskörper. Die schwer zu ertragenden Migranten spielen zwar alle zwei Jahre bei Schwarz-Rot-Geil mit, die erwünschte Liebe zum Vaterland stellt sich trotzdem nicht ein. Zur Volksgemeinschaft werden sie sowieso nie gehören, das weiß auch die BILD und ihre Leserschaft. Aber frech werden als schmerzlich geduldete Gäste – wo gibt’s denn sowas. Seit ungefähr zwei Jahren wird daher die Herkunft der Täter zum entscheidenden Merkmal dafür, ob eine wochenlange Debatte innerhalb des Blatts oder eine Notiz daraus wird.

Jafeth S. (17, in Kenia geboren), Etrit C. (18, Kosovare), Dino H. (14, Bosnier) und Nazeh S. (17, Iraker)

hatten Freikarten für Bildergalerien und fortwährende Berichterstattung; Kartoffeln haben es da schön deutlich schwerer, Aufmerksamkeit zu erregen.
Doch nicht nur in Berlin lebt es sich gefährlich, auch in der „deutschesten aller deutschen“ Städte krachte es und die BILD war fast dabei:

Türke Orcun K. (19), Portugiese Waldik M. (19) und Tadschike Ruslan J. (19)

ließen es sich nicht nehmen, einen Junggesellenabschied frisch zu machen. afterchangeswearemoreorlessthesame hebt dafür den virtuellen Daumen; den Menschen, die jetzt ungläubig den Kopf schütteln, empfehle ich einen samstäglichen Spaziergang über die Reeperbahn. Dann wisst ihr, was ich meine. Das Urteil steht übrigens noch aus, eine Fortsetzung der Serie ist gewiss.

Lakonischer widmet sich der Spiegel der deutschen Befindlichkeit. Die thematische Nähe beider Blätter ist bekannt, die Aufbereitung passt sich lediglich der lesenden Zunft an, welche vor allem eins ist: deutsch. Die Hamburger Redaktion appelliert an die gleichen deutschen Instinkte, nur auf einer anderen Ebene, die der Kleinbürger mehr schätzt, als die offene Hetze der BILD, die er aus Pietät ja ablehnen muss: das Rechtssystem eines gesunden deutschen Staates.

Im konkreten Fall hatten Animateure in Ägypten zwei Tage vor der Abreise des Klägers bei einem Sketch zum Thema Grüße verschiedener Völker den linken Arm gehoben, laut „Heil“ gerufen und waren im Stechschritt aufeinander zu marschiert. Danach habe im Zuschauerraum eine allgemeine Stille geherrscht, der Urlauber und seine Frau hätten sich unwohl gefühlt.

Dies stellt nach Auffassung des Gerichts einen Reisemangel dar, da es ein wesentliches Element eines Urlaubs sei, sich als Gast wohlzufühlen und gastfreundlich behandelt zu werden, heißt es in der Urteilsbegründung. Im konkreten Fall habe der Kläger aber das Gefühl bekommen, als Deutscher nicht willkommen zu sein. Dies habe seine Reise beeinträchtigt.

Kamele, Pyramiden, Pool und Suff an der Bar – und noch 34,35 Euro zurück bekommen, wenn das kein Erfolg ist. Trotzdem fühlen sich die armen kleinen Deutschen fremd im fremden Land, werden von niederem Personal verarscht, obwohl Opa, naja, wenn überhaupt beteiligt, doch nur Funker war! Verzweifelt suchte die CDU jahrelang nach einer Leitkultur, dabei liegt diese auf der Straße. Ich bin gespannt, wer sie zuerst wirklich gewinnbringend aufhebt und nicht nur Bücher damit verkauft. Deutsche sind keine Nazis, waren keine Nazis und werden keine Nazis sein – so der Konsens. Das höchste der Gefühle ist der zeitgeistliche Verweis auf den Prozess der Läuterung, auf dem diese Demokratie angeblich aufbaut. Die perfide Weiterentwicklung des „davon haben wir nix gewusst“; nur selbstbewusster und alltagstauglicher, was hier eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird:

Schwer erträglich. Ich scheue mich übrigens davor, die hier zitierten Artikel zu verlinken. Denn irgendwo ist auch mal Schluss.

Wohnzimmer

Der Weg

ist das Ziel.

Könnte ich mir allein aufgrund der Musik wieder und wieder ansehen. Sankt Pauli is on top!