Archiv für August 2011

Die Überflüssigen

SG Leipzig-Leutzsch – als gäbe es nicht schon genug Probleme auf der Welt. Der Nachfolgeverein des FC Sachsen Leipzig zofft sich seit seiner Gründung mit der BSG Chemie, teilt sich auf Anweisung des Verbandes und der Stadt jedoch ein Stadion mit ihnen. Das gefällt den Herren der SGLL gar nicht. Denn mit Ultras haben sie es nicht so. Und mit Zecken erst recht nicht. Da sind Offizielle und Fans des Retorten-Retorten-Vereins ganz auf einer Linie:
sgll-rsl
Neben der wahnhaften Vorstellung, irgendetwas mit „Chemie“ zu tun zu haben, sticht der Satz „Nur ein Leutzscher ist ein Deutscher“ heraus, auf den sich positiv bezogen wird. Nun, die Diablos gehen mit diesem Spruch in der Orange Times #151 so um:

Ich persönlich finde ja, dass ich schon genug damit zu tun habe ein Mensch zu sein, sodass ich für das „deutsch“ sein, gar keine Zeit habe. Andere sagen für sich, sie sind als erstes „Ultra“ oder „Chemiker“, aber wer da noch stolzer „Deutscher“ sein will, sollte sich vielleicht überlegen was es mit dem Nationalismus und dem Gerede von Nation auf sich hat. Denn am allerwenigsten kann man was dafür wo man geboren wurde. Und was an Deutschland und Leutzsch scheiße ist oder euch nicht gefällt, könnt ihr selber heraus finden oder ihr wisst es bereits. In der Kurve haben jedenfalls solche Äußerungen und Schals, die andere Menschen für ihnen Geburtsort ausgrenzen oder herabwürdigen sollen, keinen Platz. Und Deutschland wird bei uns auch nicht gefeiert, sondern nur die BSG. Also weg mit dem Scheiß aus unserer Kurve!

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Züri brännt


Die Szenen vor dem Spiel FC Zürich gegen den FC Basel erinnern mich irgendwie an das diesjährige griechische Pokalfinale. Die Züricher Bullen haben dieses Video heute veröffentlicht, zur Abschreckung natürlich. Jaja, da sind sie wieder, diese grausamen Szenen, die furchtbaren Bilder, an denen man sich gar nicht satt sehen kann…

Krass.


„Willkommen in der Höhle des Löwen“ scheint nicht nur für Berliner Gästefans in Dresden zu gelten:

Der vorerst traurigeste Höhepunkt der aktuellen Entwicklung folgte dann aber nach dem Spiel, als unsere Gruppe direkt vor dem Stadion Ziel eines geplanten Angriffs von einigen Gruppierungen aus der eigenen Fanszene wurde. Jene versuchten uns in deutlicher Überzahl unser Tifomaterial und unsere Zaunfahnen zu entreißen, welche allerdings verteidigt werden konnten. Im weiteren Verlauf des Abends kam es in der Nähe des Hauptbahnhofes zu einer weiteren gezielten Attacke, diesmal gegen die Fangruppe „Naher Osten“ und einige Einzelpersonen, bei dem Flaschen und Pflastersteine gegen jene eingesetzt und auf am Boden liegende Personen eingetreten wurde. Hierbei kann wahrlich von Glück gesprochen werden, dass es bei leichten Verletzungen blieb.

via solo ultra sgd

Auf dem grünen Rasen der Muff von 1000 Jahren

Je mehr man über Fußball weiß, desto mehr erkennt man, dass es nur ums Geld geht und dass er verrottet ist. Das nimmt einem die Begeisterung.

Für diese Erkenntnis hat der ehemalige spanische Fußballprofi Javi Poves bis zu seinem 24. Lebensjahr gebraucht. Einer mehr im Club der Überraschten, dass der Kapitalismus nicht vor Fußball halt macht und dieser sogar ein Produkt davon ist. Es bleibt nicht bei dieser einen Weisheit des Spaniers, der nicht mehr einem System angehören wollte,

in dem die Leute so viel Geld verdienen, während in Südamerika, Afrika und Asien die Menschen sterben.

Der Höhepunkt seiner scheinbar antikapitalistischen und doch strukturell antisemitischen Haltung: Er ließ sich sein Gehalt nicht überweisen, damit Banken nicht mit seiner Kohle spekulieren können. Zudem gab er den Schlüssel für seinen Dienstwagen zurück, eine Karre würde ihm reichen. Zumal das Auto auch noch vom Sponsoren bezahlt wurde.

Was klingt wie eine Robin Hood Geschichte für debile Fußballnostalgiker ist doch nur wieder ein Ausdruck von einer romantisierten, heilen, ehrlichen Fußballwelt, die nur gestört wird durch die Funktionäre und Sponsoren mit ihrem bösen Geld.

Ich möchte, dass wir alle gleich sind, dass wir uns alle zusammenschließen und aufhören, uns über triviale Angelegenheiten zu streiten. Stattdessen sollten wir versuchen, vorwärts zu kommen. Wie es aussieht, bereitet sich die Welt auf ihre Zerstörung vor.

Triviale Angelegenheiten, die die herbei phantasierte Einheit aller stören, sind seiner Meinung nach

Neid und Missgunst zwischen den Spielern.

Mit dieser Erkenntnis steht Poves im Weltfußball leider nicht alleine dar:

Inhaltliche Grundlagen, seine kruden Querfront-Thesen auch in Zukunft weiter auszubauen, hat er bereits gelegt:

Seine Teamkollegen verblüffte Poves damit, dass er Bücher wie das „Das Kapital“ von Karl Marx und Adolf Hitlers „Mein Kampf“ las. Politisch stehe er aber weder links noch rechts. Einen eindeutigen Standpunkt habe er noch nicht gefunden, sagt Poves. Er wolle einfach möglichst viel lesen und Dingen auf den Grund gehen. Sicher weiß er nur: „Ich bin gegen das System.“ Künftig will er Geschichte studieren und die Welt kennenlernen.

afterchangeswearemoreorlessthesame rechnet mit dem Schlimmsten.

via 1, 2, 3, 4

„…dann ist die Prager Straße wieder rot!“

Emotionen sind immer schwer in Worte zu fassen. Sie sind nicht greifbar und manchmal hat man den Eindruck, dass jedes Wort darüber unwürdig wäre – unfähig das zu erfassen und zu beschreiben, was im Kopf vorgeht.

Zehn Minuten vor dem Anpfiff, ertönt eine erste Ansage durch das Megaphone. Zum ersten Mal am heutigen Tage gehen verschwitzte Arme nach oben und folgen dem rhythmischen Klang der Trommel, schlagen immer wieder ineinander, immer schneller, bis alle zusammen laut schreien: „CHEMIE, CHEMIE, NUR NOCH CHEMIE!“. In meinem Kopf hämmert es und ich kapiere endlich was los ist. Das ist kein banaler Samstag, das ist die BSG Chemie Leipzig in Leutzsch, in ihrem Stadion, im Alfred-Kunze-Sportpark. Die BSG ist wieder da. Endlich wieder.

Realsatire

Die Sozialistische Linke Hamburgs, die SoL, haut mal wieder einen raus. Auf ihrer Homepage solidarisieren sie sich scheinbar mit den Genossen aus Dortmund und unterstützen deren Demo-Aufruf für den 3. September „Gegen Krieg und Faschismus“. Darin heißt es:

Die Parole der Nazis lautet dieses Jahr „Gegen imperialistische Kriegstreiberei und Aggressionskriege“. Sie folgen damit ihrer Strategie, durch vermeintliche Antikriegspositionen leichter Anknüpfungspunkte in der Bevölkerung zu finden. Im Zentrum ihrer Antikriegsrhetorik stehen jedoch antiamerikanische und antisemitische Argumentationsmuster, keineswegs antimilitaristische Positionen. So wird in ihrem Aufruf zwar unter anderem der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gefordert, jedoch lediglich aus dem Grund, dass der Krieg dort nicht für „deutsche Interessen“ geführt werden würde. Entsprechend ihren Wahnvorstellungen einer jüdischen Weltverschwörung und der Projizierung imperialistischer Politik ausschließlich auf die USA und Israel, reduziert sich ihre „Antikriegspolitik“ auf die dümmliche Behauptung, der deutsche Militarismus stünde heutzutage lediglich im Dienste dieser Staaten.

Gute Sache. Was ich mich frage: Hat die SoL den Text vorher gelesen? Bleibt es bei der virtuellen Venceremos-Faust, oder fahren tatsächlich Mitglieder von denen am 3. September nach Dortmund? Und wenn ja, mit wem oder was wird vor Ort dann demonstriert?

Angesichts solcher Transparente, gezeigt bei ihrer mickrigen Demo am 22.07. in Hamburg gegen die „Angriffe“ auf die zweite Gaza-Flotilla, bleibt wieder einmal die Erkenntnis, dass sie sich noch einmal genau überlegen sollten, auf welcher Seite sie am 3. September laufen. Ist ja noch ein bisschen hin.

P.S.: Die zitierte Charakterisierung von Nazis lässt sich auf der SoL Homepage bestens in die Rubrik „Über uns“ einfügen. Nur so als Tipp.

Von Schweinen und Menschen

via Links der Woche #11 – es lebe das laster

Der Pokal hat seine eigene Krätze

ultras.ws:

Pauli ist scheiße und unfair auf der Straße, das ist doch bekannt!

Berliner Zeitung:

Bei Terroristen spricht man von Schläfern. Sie leben unerkannt mitten unter uns – und dann schlagen sie zu. Dieses Problem plagt auch den Berliner FC Dynamo.

taz:

Die Lauterer werden von der Polizei eingekesselt, wohl zum eigenen Schutz. Es kommt jetzt nur noch zu Wortgefechten. „Halt’s Maul, Drecks-Stasi“, schimpfen Lauterer. Und: „Zurück in die Zone.“ Ein BFC-Hool schreit: „Vorm Stadion kriegt ihr es noch richtig besorgt.“ Es ist kein guter Tag für die Hardcore-Fans des 1. FCK, denn bereits auf der Anreise wurden ein paar von ihnen von Eintracht-Frankfurt-Fans aufgemischt.

LVZ:

Stefan und David aus Groitzsch sind eingefleischte RB-Fans. Beide hoffen, dass RB gewinnen wird, da die vorherigen Spiele gut liefen. Ihr Slogan: „Wir können das schaffen.“

Benjamin und Ronny kommen aus Leipzig-Paunsdorf.

Nachtrag vom Montag – 11Freunde-Ticker (hoffentlich kein Andreas Bock Zitat):

Gerd Gottlob phrasiert sich gen Halbzeit, sagt: »Noch ist hier nichts entschieden. Denken Sie an Leverkusen, die lagen schon mit drei Toren vorn.« Früher war Hoffnung die Aussicht auf ein besseres Leben, sie wurde von klugen Köpfen in große Utopien gegossen, sie war der amerikanische Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär. Heute ist Hoffnung das. Gerd Gottlob, der mit verschwörerischer Stimme mahnt, man solle doch bitte an Leverkusen denken. Zeiten ändern dich.

Das erbärmliche Leben des Samuel Sorge seit seinem 27. Geburtstag:


Opferdeutsch deluxe:

Nach so vielen Jahren hätte ich mir auch mal einen ersten Platz gewünscht, und von den Vorverkaufszahlen sah es auch ganz gut aus“, sagte Deluxe. „Aber Amy Winehouse wird mir wohl den Rang ablaufen.

via hannoversche allgemeine zeitung