
Je mehr man über Fußball weiß, desto mehr erkennt man, dass es nur ums Geld geht und dass er verrottet ist. Das nimmt einem die Begeisterung.
Für diese Erkenntnis hat der ehemalige spanische Fußballprofi Javi Poves bis zu seinem 24. Lebensjahr gebraucht. Einer mehr im Club der Überraschten, dass der Kapitalismus nicht vor Fußball halt macht und dieser sogar ein Produkt davon ist. Es bleibt nicht bei dieser einen Weisheit des Spaniers, der nicht mehr einem System angehören wollte,
in dem die Leute so viel Geld verdienen, während in Südamerika, Afrika und Asien die Menschen sterben.
Der Höhepunkt seiner scheinbar antikapitalistischen und doch strukturell antisemitischen Haltung: Er ließ sich sein Gehalt nicht überweisen, damit Banken nicht mit seiner Kohle spekulieren können. Zudem gab er den Schlüssel für seinen Dienstwagen zurück, eine Karre würde ihm reichen. Zumal das Auto auch noch vom Sponsoren bezahlt wurde.
Was klingt wie eine Robin Hood Geschichte für debile Fußballnostalgiker ist doch nur wieder ein Ausdruck von einer romantisierten, heilen, ehrlichen Fußballwelt, die nur gestört wird durch die Funktionäre und Sponsoren mit ihrem bösen Geld.
Ich möchte, dass wir alle gleich sind, dass wir uns alle zusammenschließen und aufhören, uns über triviale Angelegenheiten zu streiten. Stattdessen sollten wir versuchen, vorwärts zu kommen. Wie es aussieht, bereitet sich die Welt auf ihre Zerstörung vor.
Triviale Angelegenheiten, die die herbei phantasierte Einheit aller stören, sind seiner Meinung nach
Neid und Missgunst zwischen den Spielern.Mit dieser Erkenntnis steht Poves im Weltfußball leider nicht alleine dar:
Inhaltliche Grundlagen, seine kruden Querfront-Thesen auch in Zukunft weiter auszubauen, hat er bereits gelegt:
Seine Teamkollegen verblüffte Poves damit, dass er Bücher wie das „Das Kapital“ von Karl Marx und Adolf Hitlers „Mein Kampf“ las. Politisch stehe er aber weder links noch rechts. Einen eindeutigen Standpunkt habe er noch nicht gefunden, sagt Poves. Er wolle einfach möglichst viel lesen und Dingen auf den Grund gehen. Sicher weiß er nur: „Ich bin gegen das System.“ Künftig will er Geschichte studieren und die Welt kennenlernen.
afterchangeswearemoreorlessthesame rechnet mit dem Schlimmsten.
erklär ma. ohne intellektuelles geschwafel (obacht: struktureller antisemitismus), was struktueller antisemitismus ist.
Ernsthaft? Na dann:
http://home.pages.at/lobotnic/oekoli/archiv/rad000319.html
„Es wird also nicht primär der Kapitalismus bekämpft, sondern die Kapitalisten. In diesem Weltbild steht einer „bösen“ KapitalistInnenklasse eine „gute“ ArbeiterInnenklasse gegenüber und es genügt, wenn die ArbeiterInnenklasse der KapitalistInnenklasse das Kapital und die Produktionsmittel entreißt. In der konkreten politischen Arbeit dieser Gruppierungen heißt das dann, daß es genügt sich auf die Seite der ArbeiterInnenklasse zu stellen und ihr zu ihrem Recht zu verhelfen.
Wiederum wird nur die Sphäre der Zirkulation und nicht jene der Produktion hinterfragt, Kapitalismus nur als „Verteilungsproblem“ wahrgenommen in dem einige „bösartige Reiche“ den „armen Ausgebeuteten“ ihren gerechten Lohn vorenthalten.“
Na, da hast du dich ja wieder selbst überboten! Meinen Glückwunsch und hoffentlich bald die Ehrenbürgerschaft in Reflektionien. Bei so viel Eifer sollte das klappen. Dir wird die Einleitung zu meinem neusten Streich gut gefallen.
Was ich nicht verstehe: In den von dir zitierten Passagen wird doch sehr eindeutig das kapitalistische System angegriffen. Von personalisierter Kritik lese ich nichts – von daher finde ich die gepostete Erklärung und die Brandmarkung als strukturellen Antisemitismus (das Modewort der 2000er, oder?) nicht passend.
Tausend strukturelle Küsse!
Tja, leider etwas am Thema vorbei lieber Admin. Antisemitismusvorwürfe? Haha, nicht dein ernst! Dass das weltweite Finanzsystem der Ursprung allen (System-)Übels ist, wird auch dir (hoffentlich) irgendwann bewusst sein, falls es dass noch nicht ist, kann ich dir gerne ein paar Bücher empfehlen. Wenigstens ist Poves einer der begreift, dass die primäre Änderung von einem selbst kommen muss, und dass Mensch sich dann doch nicht beschweren darf, wenn er doch so sehr gegen das System ist, aber trotzdem weiterhin einen (mehr als gut) funktionierenden Teil des ganzen Unheils darstellt. Aber naja, es ist einfacher lieber weiter gegen den Kapitalismus zu hetzen und doch die neuste North Face Jacke zu kaufen? Interessant wäre dann noch die Quelle deiner Zitate zu erfahren, da ich nicht glaube, dass du mit Poves persönlich gesprochen hast. Und noch interessanter zu erfahren wäre, wie Mensch/Ultrà Kapitalismuskritik mit dem Gang zu einem Bundesligaspiel verbindet? Doch nur ein stupides Teilchen in der so verfluchten (Schein-)Welt?
Ergänzung: Mit Quellen meine ich natürlich deine zitierten Zeitungsartikel. Du glaubst nicht wirklich, dass die Autoren keine Vorgaben haben, in welchem Licht Systemkritik erscheinen soll? Wenn nein, dann kann ich dir das hiermit bestätigen.
lieber administrator,
trotz der von dir – im wahrsten sinne des wortes bemühten – definition von verkürzter kapitalismuskritk, sehe auch ich die personifizierung von gesellschaftlichen verhältnissen in poves kommentaren nicht. böse kapitalisten als repräsentanten der zirkulation und ehrlich arbeitendes proletariat, welches von der zirkulationssphäre scheinbar unabhängige gebrauchswerte schafft, wäre auf den fussball übertragen, ja in einer unterscheidung von sponsoren/spekulanten und „ehrlich“ arbeitenden spielern zu suchen. poves krisiert ja aber auch das von neid und missgunst geprägte verhältnis der spieler untereinander und behauptet damit keine idealisierte arbeiterklasse – vielmahr sollten von ihm verwendete begriffe wie verrottendes system aufhorchen lassen, die tatsächlich auf biologisierende bilder des modernen antisemitismus abzielen, indem sie das kapitalistische system als organische einheit und spekulation als parasitäre pathologie beschreiben. kein fussball den studenten, du strukturelle squashniete
wie man sieht, hast du nichts verstanden..
Dieser Blog bleibt eine Achterbahnfahrt zwischen guten, sarkastischen, witzigen Artikeln und solch bodenlosem Blödsinn wie diesem Beitrag, aber immerhin wirds nicht langweilig.
@Nakmuay und Helter Skelter:
Das sind mit Abstand die beiden schönsten Kommentare, die je auf diesem Blog gelandet sind. Danke dafür!
Wie du da auf Antimemitismus kommst hast du immer noch nicht erklärt. Falsche Vorstellung davon, wie der Kapitalismus ausschaut, so what? Dem ist doch was aufgefallen, da muss man den eben in seinen Schlüssen korrigieren. Du kannst dem nur vorhalten nicht „lang“ (warum nicht „breit“ oder „voluminös“ oder am besten gleich „dreibändig“?) genug zu kritisieren. Toll dass du es zur allerlängsten Kapitalismuskritik die auf dem Erdenrund jemals gegeben hat gebracht hast. Merken tut man davon nicht viel. Dass der Kapitalismus nicht vorm Fußball halt macht, wissen sogar die Fans des freien Marktes und dass das, was die Kapitalistenklasse so anstellt, alles dem Sachzwang geschuldet ist, haben die ebenso drauf. Dafür braucht es nicht noch so Kapitalismuskritiker wie dich, die sich so abgeklärt auf ihrem Standpunkt ausruhen.
@ Admin: Bitte Bitte
@ Khair ad-Din: Der Verfasser dieses Blogs hat nie eine klassische politische Sozialisation durchgemacht, verkürzte Kapitalismuskritik war ihm immer fremd. Er ist quasi allwissend und antideutsch auf diese Erde geplumst und somit darf er sich über alle anderen (bauch)Linken erheben und ihnen (struturellen) Antisemitismus vorwerfen. Ist das so schwer zu verstehen?
Falsch.
Nicht immer diese Schubladen. Es nervt mich generell, dass artikulierte Kritik immer mit Allwissenheit gleich gesetzt wird, nur weil sie einigen nicht passt. Einigen scheint es ein Bedürfnis zu sein, mich auf den Sockel des universellen Wissens zu heben, um sich hier als Berufsproletarier aufspielen zu können.
Nur dort, wo es nötig ist.
Der Junge ist gerade 24, Fußballprofi(!) und wächst in einem Land auf das nicht gerade für fortschrittliche linksradikale Politik & Position bekannt ist. Er entdeckt das das Leben in einem System wie dem Kapitalismus ungerecht ist und beginnt sich mit diesem auseinanderzusetzen und versucht sich zu widersetzten und das einzige was dir dazu einfällt ist ihm oberlehrerhaft strukturellen Antisemitimus vorzuwerfen und dich darüber lustig zu machen!
Immer gerne gegen verkürzte Kritik und Antisemitismus, aber wenn du cool wärst würdest du ihm ne Mail mit deiner „artikulierten Kritik“ verfassen, so bist du halt leider der einzige der sich hier auf den Sockel des universellen Wissens hebt.
„Einigen scheint es ein Bedürfnis zu sein, mich auf den Sockel des universellen Wissens zu heben, um sich hier als Berufsproletarier aufspielen zu können.“
Jaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Naja, er liest „Mein Kampf“, da ist das Interesse ihn „auf den richtigen Weg“ zu führen eher gering, bei mir jedenfalls. In irgendeinem Zeitungsartikel (keine Lust zu googeln, aber sollte leicht zu finden sein) stand auch, dass er jetzt Syrien, Iran und Libyen bereisen will, um die „Wahrheit“ über diese Länder herauszufinden. Hoffentlich bleibt er da, er kann ja in den Revolutionstruppen Demonstranten erschießen oder sowas.
Ich habe auch „Mein Kampf“ gelesen. Zumindest ein Drittel davon. Und andere Kulturen kennen lernen finde ich auch nicht per se falsch. Und nun? Muss ich auch Demonstranten erschießen gehen oder kann mich die deutsche Pop-Linke noch ein bisschen ertragen?
@ zimzim:
Genau er liest „mein Kampf“ und Leute die das tun, oder sich anderweitig mit dem NS auseinandersetzen sind per se…was?
@eslebedaslaster:
Mach einfach ne Therapie, das hilft allen am meisten.