Archiv für November 2011

„2012 werden wir Dresden gemeinsam bombardieren – bunt und lautstark, kreativ und entschlossen!“

Ein kleiner Hinweis auf dieses großartige Bündnis sei gestattet:

Wir sind uns bewusst, dass sich Dresden seine „Prachtbauten“ nicht einfach nehmen lassen wird. Deshalb werden wir uns 2012 wieder durch Aktionen des militärischen Gehorsams mit Flächenbombardements auf uns aufmerksam machen. Dieses Ziel eint uns über alle sozialen, politischen oder kulturellen Unterschiede hinweg. Von uns wird dabei eine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns das Ziel teilen, Dresden wieder zu enturbanisieren, seiner Prachtgebäude zu entreissen und damit auch ein klares Zeichen gegen Gentrifizierung zu setzen.

Zum Lachen geh ich in den Tabellenkeller

Lieber Jimbo Jones,

irritiert-amüsiert las ich deinen Artikel über das Spiel zwischen Hansa und Sankt Pauli. Du erklärtest dich und deine Rostocker Kollegen zu „Derbysiegern“ und dem „schlimmsten Alptraum“ der Braun-Weißen. Was für ein Quatsch das ist kann jeder in deinen comments nachlesen. Gleichzeitig verteidigtest du Raketen und Böller, die in den Sankt Pauli Block flogen, was zu heftiger Kritik an deinem Artikel sowie einer Stellungnahme deinerseits führte. Und eben jene ist noch schlimmer als die Melange aus Geheule und Geprolle, die du als Spielbericht verkauft hast.

Ein Beispiel dafür, dass ich mich natürlich genauso wenig einer Ultra-Ideologie, wenn man sie denn so bezeichnen will, entziehen kann und irgendwie auch will, als andere. Und als Beispiel dafür in welchen Widersprüchen sich diese Ideologie bewegt. Denn, wie schon die italienischen Ultras 1995 nach dem Tod von Vincenzo Spagnolo konstatierten, ist diese Welt der Ultras „trotz all ihrer Widersprüche, doch [eine] freie und wahre Welt“. „Frei“ vor allem, weil sie gesellschaftliche Räume öffnet, die sich einer gewissen staatlichen Regulierung entziehen und damit Entfaltungsmöglichkeiten erschließt, die unter normalen Umständen wohl nicht da wären. (…) Und „wahr“, weil bei den Ultras schlicht nicht das Geschwätz, sondern die Tat entscheidet. Nicht das mediale Aufgeblase und zunächst auch nicht die ganz kritische Reflexion.

Bereits dein Einstieg in das Thema suggeriert Läuterung. Kurze Selbstkritik, sich dem Widerspruch von außen nicht verschließen, poetisch kann der Artikel sogar noch als virtuelles Mahnmal aufgefasst werden – mach mal halblang. Inwieweit wirkliche Räume und Nischen innerhalb dieser Gesellschaft existieren, die „frei“ sind und sich dem staatlichen Zugriff entziehen, lasse ich jetzt mal dahin gestellt. Und, weiterhin im Konjunktiv gesprochen, kommt es vor allem darauf an, wie diese Nischen genutzt werden. Mit Mac-Fit Ideologie faschistoider Prägung lässt sich seine Liebe zur Freiheit fern ab gesellschaftlicher Normen jedenfalls nicht begründen – denn beides ist in eben jener schon zu Genüge vorhanden.

Der zweite Fehler ist den Begriff „wahr“ in Beziehung zu Handlungen von Ultras zu setzen. Jede Schlägerei, jede Choreo, jeder Einsatz von Pyrotechnik sowie jede Stellungnahme einer Gruppe dient dazu, sich auszudrücken. Was daran „wahr“ bzw. unwahr ist, ist vollkommen unerheblich, weil es hauptsächlich um das von dir negierte Geschwätz geht. Mobi-Videos und ähnlicher Kram konstruieren gerade um Derbys und/oder brisante Spiele ein Szenario fern ab jeglicher Realität. Was neben den martialischen Posen und Gesängen bleibt sind seitenlange Threads in Foren und Sätze wie „Die Staatsmacht verhinderte ein Rankommen an den Gegner“. Es zählt nicht die Tat und nicht, was wahr ist, sondern was den Leuten als wahr suggeriert wird. An diesem Geschwätz beteiligst du dich mit deinem Blog-Eintrag und ich mich mit meiner Reaktion darauf.

Sie bewiesen damit, dass sie sich von Sankt Paulianern, die im Ostseestadion ihre Mannschaft bejubeln, nichts vormachen lassen brauchen. Sie gelten etwas, das machten sie klar. Ebenso klar machen die Sankt Pauli-Fans, dass sie im Gegensatz zu den Rostockern was gelten und sind, wenn sie letztere mit „Who the fuck is Hansa Rostock?“ gesänglich zu einem unbekannten Niemand herabwürdigen. Das Maß ist ein Unterschiedliches. Während die Fans vom FC St.Pauli also diesem Spiel, den Wettkampf um die beste Leistung und Geltung, auf der rein ideologischen Weise begegnen, gehen die Rostocker weiter. Sie lassen sich nicht durch Fans anderer Vereine ihre Identität, etwas zu sein und zu gelten, absprechen. Sie weisen sie in die Schranken und das in letzter Konsequenz durch Angriff auf die Physis und körperliche Integrität des Gegenüber. Das ist sicherlich extremer, verfolgt aber keine anderen Zwecke.

Beachtlich! Bei Sankt Pauli lernen die Schlaubis wenigstens gleich Jura und nicht nur verschwurbelte Phrasen, um ihre tumben Freunde zu verteidigen. Diejenigen, die Clips und Böller in den Block der „Zecken“, der „asozialen Wessis“, gar der „schwulen Hamburger“ ballerten, wollten weder ihr Gebiet markieren noch ihren Anspruch geltend machen. Es waren Handlungen, die, ähnlich wie von Sankt Pauli vor zwei Jahren praktiziert, einen Gewaltfetisch artikulieren, der das Ziel hat, Menschen zu verletzen. Teilweise ist dies ideologisch unterfüttert, teilweise historisch gewachsen zwischen beiden Szenen. Das zu negieren oder gar versuchen herzuleiten aufgrund gesellschaftlicher Verfehlungen ist kühn, bereitet es doch Kriminellen (und nichts anderes sind Leute, die die bewusste Verletzung anderer durch den Einsatz von Böllern und Clips in Kauf nehmen) einen fruchtbaren Boden.

Denn wer nichts ist, kann sich zumindest mit Prestige und Anerkennung, also durch sein Ego, Erfolg verschaffen. Davon kann er sich nur müßig ernähren, aber immerhin. Wird ihm genau das in Frage gestellt, artet das mit unter eben auch in derlei Gewalttätigkeiten an Spielfeldrändern, Stadiontribünen oder des nächtens auf U-Bahnhöfen aus. Genau dieser Logik folgen die Ultras, folgen die Fans. Und genau deshalb klatscht das Publikum eines ganzen Fußballstadions bei einem Derby, wenn Raketen in den Block der Gäste fliegen.

Quatsch. Der Haupttribünen-Ossi springt doch nicht auf und johlt, applaudiert und schreit, weil er selber nix hat und der Bonzen-Wessi eine vor den Latz kriegt! Genauso wenig versteht er etwas von der Ultra‘-Mentalität und deren Auswüchsen, noch weniger identifiziert er sich mit ihr. Das was dort geschehen ist war deutscher Mob at it’s best. Die Klischee-Feindbilder sind in beiden Fanszenen gewachsen und tief verankert, hier die weltverbessernden, moralisch überlegen Zecken aus dem Westen, dort die Hartz-4-Plattenbau Nazis.

Und wenn sich etwas in den Köpfen des Haupttribünen-Publikums festgesetzt hat, dann ja wohl eben jene Klischees und nicht ein Verständnis von aktiver Fankultur geschweige denn von Ultrá. Sie applaudierten nicht, weil sie sich herabgewürdigt fühlten, sondern weil es für sein ein Genuss war im Angesicht der sportlichen Niederlage den Zecken noch einen mitzugeben. Dadurch wurden weder ihre Egos gestärkt noch eigene Schwäche kaschiert. Der deutsche Mob tobte so, wie er immer tobt wenn es darum geht, sich dem „Bösen“ zu erwehren. Das ist der relevante gesellschaftliche Hintergrund, und nicht das CDU-Argument Egoismus. Womit wir auch gleich beim nächsten Punkt wären:

(…) wo sich hier doch eigentlich alle zu Schulidgen machen, die dieses Spiel mitspielen. Diejenigen die abschießen. Diejenigen die klatschen und anfeuern. Auch diejenigen, welche durch nicht andersgerichtete Verlautbarungen den Gegner in seiner psychischen Integrität attackieren, diesmal aber eben die physisch Getroffenen sind. Und nichtzuletzt all jene, die alltäglich das Leistungsprinzip als gesellschaftliches Ordnungsprinzip hoch halten.

Neben der großzügigen Verteilung der Schuld findet auch in deinem Text die klassische Täter-Opfer-Umkehrung statt. Sankt Pauli ist also Mitschuld daran, dass der Rostocker per se gar nicht anders kann, als zu ballern und zu applaudieren? Ein Stadion ohne Individuen also, welches keinen eigenen Handlungsspielraum hat und getreu seiner „Identität“ so handeln muss? In seiner fragwürdigen psychischen Integrität scheinbar zutiefst erschüttert ist es trotzdem ein entscheidender Schritt hin zur physischen Attacke – für dich lieber Jimbo Jones ist dies nur ein logischer Schluss. Wer so denkt steckt zutiefst in einer Ideologie, die nichts mit Ultrá oder Identität zu tun hat, sondern einfach nur deutsch ist.

P.S.: Mit keiner einzigen Silbe erwähnst du in beiden Texten die homophoben Gesänge und Transparente der Heimkurve. Sicherlich ist dies in deinem Kopf mittlerweile als Standard abgespeichert und keine zusätzliche Erwähnung wert, dann klemm dir aber auch bitte in Zukunft die linke Attitüde sowie die gesellschaftskritischen Auslassungen.

P.P.S.: Dass der Italiener nur am Boden liegt hab ich ja noch nie gehört! Aber schlaue Sätze sagt er!

Gemeinsame Erklärung

Liebe St. Pauli, liebe Hansa-Gremien,

wenn am Sonnabend Hansa Rostock den FC St. Pauli empfängt, wird es auf dem Rasen und auf den Rängen hoch her gehen, sofern alle Menschen, die ein Ticket für diese Partie erworben haben, das Stadion überhaupt erreichen. Denn leider wurden die Spiele der beiden Mannschaften in den letzten Jahren von gewalttätigen Repressionsgebaren der Polizei überschattet.

Es hat sich immer häufiger gezeigt, dass diese Menschen solche Spiele nutzen, um ihre fanfeindliche(n) Ideologie(n) zum Ausdruck zu bringen. Die gesteigerte Aufmerksamkeit der Medien an dieser Partie wird dabei genutzt, um sich durch provozierte, willkürliche und gewalttätige Auseinandersetzungen mit Fußballfans zu profilieren. Deshalb fordern wir alle Fans auf, nicht wegzuschauen, sondern sich aktiv gegen diese Leute zu stellen. Denjenigen, die aus Rivalität kriegsähnliche Zustände herbei phantasieren wollen, müssen von den Clubs und den vernünftigen Fans im Stadion, die die große Mehrheit ausmachen, unmissverständlich Grenzen aufgezeigt werden.

Randale, Gewalt und Rassismus sollten stets getrennt voneinander verhandelt werden, um die gesellschaftlich reproduzierten Ausgrenzungsmechanismen des Rassismus nicht zu verwässern. Diese gilt es zu bekämpfen, im Stadion als auch in der Gesellschaft.
Lasst uns gemeinsam alles dafür tun, dass es ein spektakuläres und hochspannendes Fußballspiel wird, welches jede/r miterleben kann, um für eine tolle Atmosphäre auf den Rängen zu sorgen.

Afterchangeswearemoreorlessthesame
Lichterkarussell

Frei nach „Gemeinsame Erklärung des FC St. Pauli und des FC Hansa Rostock“

Postskriptum

Die Formulierungen in der Erklärung der Vereinsfunktionäre sind eine bodenlose Frechheit. Als ob sie es nicht besser wüssten, wird davon gesprochen, „dass Menschen solche Spiele nutzen, um ihre demokratiefeindlichen Ideologien zum Ausdruck zu bringen.“ Die Gremien, und das kreiden wir besonders unserem Präsidium an, begeben sich mit dieser Aussage in unangenehme Nähe des bundesweiten Trends zur „Extremismustheorie“. Antifaschistische Selbstverständlichkeiten werden hierbei mit Rassismus als „Formen des Extremismus“ gleichgesetzt – ist ja beides extrem, also schlecht. Was inhaltlich hinter der politischen Agitation steht, wird dabei gänzlich außer acht gelassen und so führt diese krude Ansicht zu einer mehr als gefährlichen Relativierung, als wären Menschenleben mit ausgebrannten Autos aufzuwiegen, als wäre eine menschenverachtende Ideologie das gleiche, wie der Kampf um lebenswerte Umstände. Über 25 Jahre der politischen Fanszene haben offenbar nicht gereicht, die elementarsten Grundverständnisse linker Gedanken in den Köpfen unserer gewählten Vereinsvertreter zu verankern.

Und wo wir gerade dabei sind unseren Clubvertretern „Rügen“ auszusprechen sei der Hinweis auf deren jüngste Unverschämtheit erlaubt: Kameras im Sonderzug?
In der Logik der Quotenschacherei ist es nur allzu sinnvoll, gerade dieses Spiel zu begleiten. Dass es dabei um das Fröhliche und Positive der Fankultur gehen soll, darf bezweifelt werden. Wir hoffen, dass kein Sankt Pauli Fan Kameras in unseren Sonderzügen, auf unseren Auswärtsfahrten, in unseren Freiräumen akzeptiert! Dass wir kein Projekt unterstützen, das sich dazu eignen soll, die mediale Hetze zu befeuern und die Sau der Fußballfankultur das x-tausendste Mal durch’s Dorf zu treiben.
Unabhängig dessen, dass der Film scheinbar die Unterstützung der Vereinsvertreter erhält; was „der Verein“ mit Angelegenheiten der Fans zu tun hat steht auf einem ganz anderen Blatt und wie gering die Empathie seitens der Vereinsvertreter für Fanbelange zu sein scheint, haben sie ja mit der gemeinsamen Erklärung erneut beweisen können. Kein Mitglied der Vereinsführung kann entscheiden, was in Punkto Fanbelange unterstützenswert ist und was nicht.

Black is beautiful

Der Fuß­ball und die Fan­kul­tur sind nach wie vor nicht durch die “Ran­da­lie­rer” be­droht, nicht durch die or­ga­ni­sier­ten Fans, die Ul­tras oder an­de­re Fans, die für ihre Vor­stel­lun­gen kämp­fen. Diese Men­schen sind noch immer ein ele­men­ta­rer Teil des Gan­zen. Sie leben und lie­ben den Fuß­ball, rich­ten ihr Leben nach ihm aus, sie kämp­fen um ihn, schüt­zen Frei­räu­me und ver­tei­di­gen durch ihre fort­wäh­ren­de Kri­tik an den sich ent­wi­ckeln­den Ver­hält­nis­sen im Grun­de die letz­te Würde des Fuß­balls.

(…)

Lasst euch den Spaß nicht neh­men und scheißt auf die Bul­len und ihre Pro­vo­ka­tio­nen. Wir fah­ren fröh­lich, heiß­blü­tig und vol­ler Eu­pho­rie zum Fuß­ball nach Ros­tock, um un­se­re Mann­schaft zu un­ter­stüt­zen und dar­zu­stel­len, wer wir sind. Wir ent­spre­chen auch wei­ter­hin nicht ihrer Norm und wir haben nicht den An­spruch, ihnen und dem “mo­der­nen Fuß­ball”, sei­ner sau­be­ren Plas­tik­welt zu ge­fal­len. Re­flek­tiert ein biss­chen, wel­che Schei­ße es wert ist, ge­baut zu wer­den und seid so­li­da­risch mit­ein­an­der, falls wir uns gegen An­grif­fe egal wel­cher Seite weh­ren müs­sen. Kommt in der herbst­li­chen Mo­de­far­be Schwarz zu den Treff­punk­ten vor und nach dem Spiel, schließt euch zu­sam­men und freut euch auf einen span­nen­den Tag und eines der no­mi­nell auf­re­gends­ten Aus­wärts­spie­le der Sai­son – an des­sen Ende wir die Kogge hof­fent­lich ein wei­te­res Mal ver­senkt haben wer­den.

Apo­ca­lyp­se now – wir sind Sankt Pauli!

via

Here’s to you…

Als Café Morgenland vor nicht all zu langer Zeit in Hamburg gastierten, zitierten sie eine Textpassage von Franz Josef Degenhardt:

Dies‘ Lied ist für Rosemarie,
weil – bei der Kripo, da hat sie
einen einfach nicht wiedererkannt,
einen aus Morgenland.
Der war aus der Bank rausgerannt,
und die Pistole noch in der Hand,
lief auf sie zu, und sie blieb stehn.
Sie hat sein Gesicht gesehn.
Aber wie er jetzt so da stand
zwischen zwei Deutschen und an der Wand
mit diesem schrecklich verlorenen Gesicht,
sagte sie: Der war es nicht.
Rosemarie, bist nur Rentnerin,
und die Belohnung, die ist jetzt hin.
Aber du lachst und weisst, deinen Lohn,
hast du ja schon.

Unweigerlich hatte ich die Melodie im Ohr, die Nostalgie wich heute der Trauer über seinen Tod. „In dieser Epoche haben wir die Schlacht verloren. Aber es geht weiter. Ich hoffe da ganz auf unsere Enkel und Ur-Enkel.“ Er wird sicher ab und zu mal herunter schauen.

Die Widerwärtigkeit als Lebensaufgabe

Eigentlich sollte dieser Eintrag mit den Sätzen beginnen: „Lieber Jürgen Elsässer, lieber Gerhard Wisnewski, ich weiß, euch jucken die Finger, es brennt euch unter den Nägeln, die rechtsradikalen Attentäter als Attrappen des Verfassungschutzes darzustellen und dahinter wieder die große Verschwörung zu wittern. Bitte, verhaltet euch nur ein einziges Mal pietätvoll.“ Anschließend wollte ich kurz darauf eingehen, dass aufgrund der Undurchsichtigkeit und fehlerhaften Ermittlungen, die in den letzten Tagen in der Presse kolportiert wurden, zumindest die Rolle des thüringer Verfassungschutzes kritischer betrachtet werden sollte. Doch das Leben findet nicht im Konjunktiv statt und zumindest eine der genannten Personen ist an Widerwärtigkeit nicht zu übertreffen. Elsässer hat schon wieder seine Zeugen gefunden, und die berichten unglaubliches:

Die beiden Zwickauer haben mit den Döner-Morden nichts zu tun. Sie wurden in ihrem Wohnmobil ermordet (Zeugen sahen einen Mann rauskommen), anschließend wurden ihnen alle möglichen Beweise untergeschoben. Um einen großen Fall zu konstruieren. Möglich ist aber auch Theorie d): Die Zwickauer waren noch nie Nazis. Sie waren und blieben bis zum Schluss Staatsagenten. Deswegen wurden jetzt auch professionell gemachte falsche Alias-Personalpapiere bei ihnen gefunden, die ihnen der Staatsschutz zur Verfügung gestellt hat. Die Zwickauer wurden in den neunziger Jahren in der rechten Szene eingesetzt. Nachdem das nichts mehr gebracht hat, wurden sie aus der rechten Szene abgezogen. Seither waren sie an einem GANZ ANDEREN Fall dran, und auf diesen Fall geht ihe Ermordung zurück. Über diesen Fall wird nicht gesprochen …

Alle bekannten Attribute zu Elsässer mögen auch hier wieder greifen: verrückt, gestört, nicht mehr alle Latten am Zaun, immer wieder die selbe Leier. Das nervige an Verschwörungstheoretikern ist nur, dass ihnen stets eine gewisse Anzahl von Leuten auf den Leim geht, die aus einer diffusen Ablehnung gegenüber „dem Staat“ eine Religion gemacht haben und hinter jedem und allem DIE große Verschwörung wittern. Dieser Sumpf lässt sich nicht trocken legen, da können Daniel Kulla oder Jon Ronson noch so viele Bücher schreiben. Denn sie greifen das Gefühl des Zweifelns auf und machen daraus eine absurde Agenda um Inside-Jobs, dunkle Mächte und „die da oben“. Es mag ebenfalls naiv sein, sich zu erhoffen, dass Jürgen Elsässer angesichts einer solchen nationalistischen Blutspur einmal den Mund hält. Stattdessen offenbart er lieber, was für ein rassistisches Dreckschwein er ist:

Diese drei Würstchen sollen nicht nur eine Polizistin am hellichten Tag ins Gesicht geschossen haben, sondern auch noch neun Döner-Türken inclusive einem Griechen, auch am hellichten Tag?

In politisch aufgebrachten Zeiten halte ich mich mit radikal-gewaltätigen Absichtsformulierungen zur Person Elsässer lieber zurück, denn wer eine solche Schizophrenie täglich aushalten muss, der sollte schon genug gestraft sein, könnte man meinen. Doch das Leben ist bekanntlich kein Konjunktiv.