Archiv für Juli 2013

Weil er dumm ist: MOPO schmeißt Buttje Rosenfeld raus

Die MOPO-Redakteure gelten in Bezug auf Menschlichkeit als vorbildlich, verurteilen jede Art von Diskriminierung der Mehrheitsgesellschaft und schreiben gerne Polizeipressemitteilungen ab. Für gewisse Teile der Autorenschaft scheint dies nicht zu gelten. Die „Chefetage“ hat einen Redakteur rausgeschmissen. Der Vorwurf: Er ist dumm!

Auf ihrer Internetseite hat die „Chefetage“ diese Story selbst verbreitet: „Allein die Berufswahl ist mit dem Argument ‚hab mal bei Pauli gespielt und wohne im Karoviertel‘ unvereinbar“, heißt es dort. In letzten Jahren habe sich das Gerücht, wonach dieser „Redakteur“ überhaupt nicht wisse, worüber er da schreibe, breitgemacht und bewahrheitet. Die Chefetage stellte den „Redakteur“ und die Sport-Abteilung zur Rede. Im direkten Gespräch hätten die Beteiligten geleugnet, dass der Mann keine Ahnung von St. Pauli im Ganzen und der Fanszene im Speziellen habe. „Dies zwingt uns, einen Großteil der Abteilung sowie den Redakteur rauszuwerfen “, so die „da oben“.

Viele Leser sind entsetzt – nicht nur, weil keiner so schön Facebook-Kommentare und pauschalisierende Faschismusvergleiche abschreibt, wie Rosenfeld. „Ich habe mich noch nie so geschämt, Mopo-Käufer zu sein“, heißt es im Internet. Oder: „Wo finde ich denn jetzt noch jemand, der so naiv und ahnungslos über Paadie-Pauli schreibt, wie ich darüber denke?“

Oops, he did it again!

„Sinnlos randlieren“, „Misthaufen“, „sich nakisch freun“ – Lehmi richtet wieder das Wort zum Volke.

Body-Modification

Wenige Tage vor der Leichtathletik-WM in Moskau können sich drei Athleten bescheinigen lassen, die größten Idioten unter der Sonne zu sein. Der Amerikaner Tyson Gay sowie die Jamaikaner Asafa Powell und Sherone Simpson sind positiv auf verschiedenste Dopingmittel getestet worden.

Leichtathletik? WM? War da nicht mal was? Nun, 2009, als der Apotheken-Zirkus in engen Trikots im Berliner Reichsstadion seine Bahnen zog, wurden zuvor fünf jamaikanische Athleten bei nationalen Ausscheidungskämpfen positiv getestet – und aus unerfindlichen Gründen freigesprochen. Bereits damals wurde versucht, die Sache unter den Teppich zu kehren, die Ministerin für Sport sprach gar von „gesunder Ernährung“ und dem „großartigen Wasser“, was ihren Sportlern Beine machen würde. Interessant ist im folgenden ebenfalls ihre Aussage: „Wir machen uns wirklich keine Sorgen, dass unsere Athleten positiv getestet werden.“. Sie folgt damit der Logik, dass nur positiv Getestete auch gedopt sind. Oder mit anderen Worten: Nimm den Kram, aber lass dich nicht erwischen.

Nun ist es wieder passiert und überraschenderweise hat es diesmal auch einen US-Amerikaner erwischt. Eigentlich gelten die Amerikaner als Vorreiter der präventiven Dopingtests. Kein US-Athlet fliegt/fährt zu einem großen Wettkampf, sofern die Möglichkeit besteht, er könne positiv getestet werden. Daher werden gerne regelmäßig Proben anonymisierte eingeschickt, um den aktuelle Stand der Dröhnung zu erfahren. Während in der Vorbereitungsphase auf noch auf die komplette Palette (Wachstumshormone, Testosteron, EPO und Steroide) gesetzt wird, wird vor dem Wettbewerb die Dosis extrem herunter gefahren, minimalste Dosen EPO bzw. Testosteron-Salben kommen noch zum Einsatz plus eben jene Medikamente, die deren Einnahme nach dem Rennen vertuschen sollen.

Warum Gay sich erwischen ließ? Möglicherweise (und dies passiert alle fünf Jahre wirklich) haben neue Testverfahren mehrere Designer-Steroide entschlüsseln können, die sich nun nachweisen lassen. Vielleicht hat er sich auch nicht an seinen speziell ausgearbeiteten Doping-Plan gehalten, was schon Marion Jones zum Verhängnis wurde.

So spekulativ die Gründe sind, so sicher dürfte jetzt schon sein, dass die Wettkämpfe in Moskau keine Rekordjagd werden. Zu sehr ist das Teilnehmerfeld aufgeschreckt, zu groß die Unsicherheit, aufzufliegen. Daher werden sie es wohl etwas ruhiger angehen lassen, um die Fahnder und das Publikum nicht auf blöde Gedanken zu bringen. Gerade Usain Bolt hat mit seinen Weltrekordläufen für mehr als nur Skepsis gesorgt, ausgenommen ist davon ein naiver ZEIT-Journalist, der nun wirklich nichts davon hören will und lieber weiterhin an das Ausnahmetalent des Läufers glaubt. Soll er, jeder Jeck is anners.

Entscheidender ist eh, wie die Sponsoren und die Zuschauer auf diesen ganzen Firlefanz reagieren. Ein guter Gradmesser ist dafür die aktuelle Tour de France, bei der auch so ein „Jahrhunderttalent“ namens Froome statt Begeisterung der Massen maximal auf unterkühlten Beifall bzw. offene Ablehnung stößt. Der Einsatz von Dopingmitteln (in diversen Zeitungen auch Leistungsunterschied genannt) ist einfach zu offensichtlich und Menschen lassen sich eben nur bis zu einem gewissen Grad verarschen. Sofern der „Betrug“ so deutlich ist, haben sie darauf keinen Bock mehr und folgen damit der Logik der jamaikanischen Sportministerin: Bescheißen ja, aber bitte im Rahmen.

An einem Novembertag 1985 in Düsseldorf…

Das bewegte und bewegende Leben des Mannheimer Boxers Charles „Charly“ Graf wurde von Eric Friedler sehenswert verfilmt. Dank an R. für den Tipp!

Die beste Zeit des Jahres

Menschen haben unterschiedliche Parameter für ihr persönliches Wohlbefinden: Wetter, Kontostand, Sneaker-Sale, vegan-fitness-pics mit 80 hashtags bei Instagram posten. Mir alles egal. Ende Juni/Anfang Juli überlappen sich hingegen zwei Ereignisse, deren Schnittmenge für drei Wochen ziemlich nahe an den Kommunismus heran reicht: TOUR DE FRANCE und die SOMMERTRANSFERPERIODE. Neben dem täglichen Geschacher um armenische Zidane-Nachfolger, paraguayische Familienmenschen und Teenager aus dem Pott, die sich mit dem Arbeitsgericht herum schlagen müssen, sorgen ebenfalls die Aussagen der Manager/Sportdirektoren/Präsidenten für Erheiterung. Stichwörter: punktuelle Verstärkungen, in der Breite für eine höher Kaderqualität sorgen, sich fürs internationale Geschäft/Abstiegskampf/Mittelfeldgeplänkel rüsten.

Während in der Bundesliga bereits bei einer Summe von fünf Millionen Euro für einen Spieler betreten zu Boden geschaut, maximal noch gehüstelt wird, geht es im internationalen Vergleich in anderen Ligen bunter zu. Nach bisheriger, eigener Zählung wird Manchester City mit 29 Spielern in Verbindung gebracht. Problem: Sie haben bereits 24. Auch vor Chelsea scheint in diesem Sommer kein Stürmer sicher zu sein und Rooney hat kein Bock mehr auf Manchester. Dagegen basteln Braunschweig sowie Augsburg fleißig am Zweitliga-Kader 2014/2015. Die kolportiert Wachablösung im europäischen Fußball nimmt immer konkretere Züge an…

Nebenher feiert in Frankreich die Grande Boucle ihren 110. Geburtstag. Eins vorweg: Diese „Doping-Diskussion“ um den „sauberen Radsport“, der „Vertrauen zurück gewinnen muss“ ödet mich an. Radsportler sind, waren und werden auch in Zukunft immer vollgepumpt mit diversem Zeug sein, was sie am Ende 15 Jahre früher als andere Menschen sterben lässt. Interessanter ist vielmehr, auf welche Dopingstrategien die Fahrer nach den Geständnissen von Armstrong und Co. sowie den bekannten Praktiken heutzutage setzen. Was nervt sind Bullen aus dem Osten, die nach wie vor den Tugendwächter spielen wollen. Dank eines Sturzes wird Tony Martins Geseier sich jedoch bald von selbst erledigen.

Dennoch wird die Tour auch dieses Jahr nicht an die großen Rundfahrten der 2000er heran kommen. In der verblassenden Erinnerung immer noch einer der größten Momente, als Lance Armstrong dachte, ohne einen frischen Beutel die ersten Bergetappen der 2003er-Tour zu überstehen und ihn Jan Ullrich und Alexander Winokurow am Plateau de Bonascre auseinandernahmen.

P.S.: Man kann auch in der Sonne Fernsehen gucken.