Body-Modification

Wenige Tage vor der Leichtathletik-WM in Moskau können sich drei Athleten bescheinigen lassen, die größten Idioten unter der Sonne zu sein. Der Amerikaner Tyson Gay sowie die Jamaikaner Asafa Powell und Sherone Simpson sind positiv auf verschiedenste Dopingmittel getestet worden.

Leichtathletik? WM? War da nicht mal was? Nun, 2009, als der Apotheken-Zirkus in engen Trikots im Berliner Reichsstadion seine Bahnen zog, wurden zuvor fünf jamaikanische Athleten bei nationalen Ausscheidungskämpfen positiv getestet – und aus unerfindlichen Gründen freigesprochen. Bereits damals wurde versucht, die Sache unter den Teppich zu kehren, die Ministerin für Sport sprach gar von „gesunder Ernährung“ und dem „großartigen Wasser“, was ihren Sportlern Beine machen würde. Interessant ist im folgenden ebenfalls ihre Aussage: „Wir machen uns wirklich keine Sorgen, dass unsere Athleten positiv getestet werden.“. Sie folgt damit der Logik, dass nur positiv Getestete auch gedopt sind. Oder mit anderen Worten: Nimm den Kram, aber lass dich nicht erwischen.

Nun ist es wieder passiert und überraschenderweise hat es diesmal auch einen US-Amerikaner erwischt. Eigentlich gelten die Amerikaner als Vorreiter der präventiven Dopingtests. Kein US-Athlet fliegt/fährt zu einem großen Wettkampf, sofern die Möglichkeit besteht, er könne positiv getestet werden. Daher werden gerne regelmäßig Proben anonymisierte eingeschickt, um den aktuelle Stand der Dröhnung zu erfahren. Während in der Vorbereitungsphase auf noch auf die komplette Palette (Wachstumshormone, Testosteron, EPO und Steroide) gesetzt wird, wird vor dem Wettbewerb die Dosis extrem herunter gefahren, minimalste Dosen EPO bzw. Testosteron-Salben kommen noch zum Einsatz plus eben jene Medikamente, die deren Einnahme nach dem Rennen vertuschen sollen.

Warum Gay sich erwischen ließ? Möglicherweise (und dies passiert alle fünf Jahre wirklich) haben neue Testverfahren mehrere Designer-Steroide entschlüsseln können, die sich nun nachweisen lassen. Vielleicht hat er sich auch nicht an seinen speziell ausgearbeiteten Doping-Plan gehalten, was schon Marion Jones zum Verhängnis wurde.

So spekulativ die Gründe sind, so sicher dürfte jetzt schon sein, dass die Wettkämpfe in Moskau keine Rekordjagd werden. Zu sehr ist das Teilnehmerfeld aufgeschreckt, zu groß die Unsicherheit, aufzufliegen. Daher werden sie es wohl etwas ruhiger angehen lassen, um die Fahnder und das Publikum nicht auf blöde Gedanken zu bringen. Gerade Usain Bolt hat mit seinen Weltrekordläufen für mehr als nur Skepsis gesorgt, ausgenommen ist davon ein naiver ZEIT-Journalist, der nun wirklich nichts davon hören will und lieber weiterhin an das Ausnahmetalent des Läufers glaubt. Soll er, jeder Jeck is anners.

Entscheidender ist eh, wie die Sponsoren und die Zuschauer auf diesen ganzen Firlefanz reagieren. Ein guter Gradmesser ist dafür die aktuelle Tour de France, bei der auch so ein „Jahrhunderttalent“ namens Froome statt Begeisterung der Massen maximal auf unterkühlten Beifall bzw. offene Ablehnung stößt. Der Einsatz von Dopingmitteln (in diversen Zeitungen auch Leistungsunterschied genannt) ist einfach zu offensichtlich und Menschen lassen sich eben nur bis zu einem gewissen Grad verarschen. Sofern der „Betrug“ so deutlich ist, haben sie darauf keinen Bock mehr und folgen damit der Logik der jamaikanischen Sportministerin: Bescheißen ja, aber bitte im Rahmen.