Die Widerwärtigkeit als Lebensaufgabe

Eigentlich sollte dieser Eintrag mit den Sätzen beginnen: „Lieber Jürgen Elsässer, lieber Gerhard Wisnewski, ich weiß, euch jucken die Finger, es brennt euch unter den Nägeln, die rechtsradikalen Attentäter als Attrappen des Verfassungschutzes darzustellen und dahinter wieder die große Verschwörung zu wittern. Bitte, verhaltet euch nur ein einziges Mal pietätvoll.“ Anschließend wollte ich kurz darauf eingehen, dass aufgrund der Undurchsichtigkeit und fehlerhaften Ermittlungen, die in den letzten Tagen in der Presse kolportiert wurden, zumindest die Rolle des thüringer Verfassungschutzes kritischer betrachtet werden sollte. Doch das Leben findet nicht im Konjunktiv statt und zumindest eine der genannten Personen ist an Widerwärtigkeit nicht zu übertreffen. Elsässer hat schon wieder seine Zeugen gefunden, und die berichten unglaubliches:

Die beiden Zwickauer haben mit den Döner-Morden nichts zu tun. Sie wurden in ihrem Wohnmobil ermordet (Zeugen sahen einen Mann rauskommen), anschließend wurden ihnen alle möglichen Beweise untergeschoben. Um einen großen Fall zu konstruieren. Möglich ist aber auch Theorie d): Die Zwickauer waren noch nie Nazis. Sie waren und blieben bis zum Schluss Staatsagenten. Deswegen wurden jetzt auch professionell gemachte falsche Alias-Personalpapiere bei ihnen gefunden, die ihnen der Staatsschutz zur Verfügung gestellt hat. Die Zwickauer wurden in den neunziger Jahren in der rechten Szene eingesetzt. Nachdem das nichts mehr gebracht hat, wurden sie aus der rechten Szene abgezogen. Seither waren sie an einem GANZ ANDEREN Fall dran, und auf diesen Fall geht ihe Ermordung zurück. Über diesen Fall wird nicht gesprochen …

Alle bekannten Attribute zu Elsässer mögen auch hier wieder greifen: verrückt, gestört, nicht mehr alle Latten am Zaun, immer wieder die selbe Leier. Das nervige an Verschwörungstheoretikern ist nur, dass ihnen stets eine gewisse Anzahl von Leuten auf den Leim geht, die aus einer diffusen Ablehnung gegenüber „dem Staat“ eine Religion gemacht haben und hinter jedem und allem DIE große Verschwörung wittern. Dieser Sumpf lässt sich nicht trocken legen, da können Daniel Kulla oder Jon Ronson noch so viele Bücher schreiben. Denn sie greifen das Gefühl des Zweifelns auf und machen daraus eine absurde Agenda um Inside-Jobs, dunkle Mächte und „die da oben“. Es mag ebenfalls naiv sein, sich zu erhoffen, dass Jürgen Elsässer angesichts einer solchen nationalistischen Blutspur einmal den Mund hält. Stattdessen offenbart er lieber, was für ein rassistisches Dreckschwein er ist:

Diese drei Würstchen sollen nicht nur eine Polizistin am hellichten Tag ins Gesicht geschossen haben, sondern auch noch neun Döner-Türken inclusive einem Griechen, auch am hellichten Tag?

In politisch aufgebrachten Zeiten halte ich mich mit radikal-gewaltätigen Absichtsformulierungen zur Person Elsässer lieber zurück, denn wer eine solche Schizophrenie täglich aushalten muss, der sollte schon genug gestraft sein, könnte man meinen. Doch das Leben ist bekanntlich kein Konjunktiv.


3 Antworten auf „Die Widerwärtigkeit als Lebensaufgabe“


  1. 1 Pete Zafunghi 15. November 2011 um 11:09 Uhr

    Mindestens so eklig finde ich aber auch, dass Frau Merkel kein Mitgefühl mit den Opfern zeigt, sondern von einer „Schande für Deutschland“ spricht. Diese Position ist leider weit weniger randständig als das Verschwörungsgesülze von Elsässer & co.

  2. 2 Pete Zafunghi 16. November 2011 um 9:40 Uhr

    Oder wie der Außenminister Westerwelle auszudrücken weiß: „Das ist nicht nur furchtbar für die Opfer, das ist nicht nur schlimm für unser Land, es ist vor allen Dingen auch sehr, sehr schlimm für das Ansehen unseres Landes in der Welt.“
    Vor allen Dingen!

  1. 1 Nazi-Verschwörungstheorien. | Reflexion Pingback am 23. Januar 2012 um 13:48 Uhr
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