Archiv der Kategorie 'music was my first love'
Als Café Morgenland vor nicht all zu langer Zeit in Hamburg gastierten, zitierten sie eine Textpassage von Franz Josef Degenhardt:
Dies‘ Lied ist für Rosemarie,
weil – bei der Kripo, da hat sie
einen einfach nicht wiedererkannt,
einen aus Morgenland.
Der war aus der Bank rausgerannt,
und die Pistole noch in der Hand,
lief auf sie zu, und sie blieb stehn.
Sie hat sein Gesicht gesehn.
Aber wie er jetzt so da stand
zwischen zwei Deutschen und an der Wand
mit diesem schrecklich verlorenen Gesicht,
sagte sie: Der war es nicht.
Rosemarie, bist nur Rentnerin,
und die Belohnung, die ist jetzt hin.
Aber du lachst und weisst, deinen Lohn,
hast du ja schon.
Unweigerlich hatte ich die Melodie im Ohr, die Nostalgie wich heute der Trauer über seinen Tod. „In dieser Epoche haben wir die Schlacht verloren. Aber es geht weiter. Ich hoffe da ganz auf unsere Enkel und Ur-Enkel.“ Er wird sicher ab und zu mal herunter schauen.
Jeden Morgen unter der Dusche! GRAU-EN-VOLL! Der Schaum im Haar passt zur Disse, in der sowas läuft. Daher der Gegenschlag: Duck Sauce Scheiße finden und sich trotzdem ein nettes Streetart-Video ansehen – zwei Fliegen, eine Klappe. Zu empfehlen auch die restlichen Spaziergänge 1-15. Lohnt! Viel hiesiger Ultra-Kram und restliche Hamburger Größen – OZ, Los Piratoz, 187ers etc.
wir sind die boxer taumelnd im kampf mit mr. schweinehund, ob blühende oder verendete landschaft hin oder her – kurze hose holzgewehr
Seit über einem Jahr kein Lebenszeichen. Kein Song, keine News, nichts. d.h. gingen leiser, als sie damals in meine musikalisch beschränkte Welt krachten. Lokalpatrioten mit Gitarren, Bass und Schlagzeug, denen die Herzen der jungen Punkrocker_innen nur so zuflogen. Gab ja sonst nüscht könnte ein Einwand sein, der würde jedoch hier zu kurz greifen. Musikalisch hatten sie ziemlich was drauf, die jungen Herren aus dem Großraum Zeitz.
Parolenfrei und melancholisch, eine teilweise heftige Tendenz ins Emotionale – einfach nur schön. Einflüsse von EA80 und den Boxhamsters ließen sich nicht wegreden, zu offen zeigten sie sich als Fanboys der eben genannten. Aus dunkeln Kellergemächern startend klapperten sie die Bühnen des Umlands ab, eine zusehends wachsende Anhängerschar bildete den Torso, auf dem Weg nach oben konnte also nichts mehr schief gehen. Zudem schufen sie mit Freund_innen und Bekannten eine Pilgerstätte, einen kulturellen und alternativen Anlaufpunkt, den diese Kleinstadt so bitter nötig hatte. Where did it all go wrong?
vollkommener stillstand und null bewegung, mehr als die hoffnung du weißt kann es nicht geben, als irgendwie den traum zu leben ohne vorher an idealen gescheitert zu sein, ende gelände baby, mir pisst so schnell keiner mehr ans bein
Das Leben und seine Begleiterscheinungen verlaufen nicht immer in den Bahnen, in denen man das so gerne hätte. d.h. entwuchsen (auch in musikalischer Hinsicht) recht schnell dem Kleinstadtmief. Als sie ihre Zelte in Leipzig aufschlugen war es nur eine Frage der Zeit, bis das von ihnen erbaute Kultur-Mekka in Zeitz zusammenfallen würde.
Daran konnte auch die musikalische Eins-zu-Eins-Kopie Trauma nichts ändern. Erst läuft alles normal weiter, dann improvisiert man und letztendlich prangt die Hommage „Ende Gelände“ auf der Außenfassade. Die Kids hängen nun wieder an der Jet-Tankstelle herum, essen Burger im neuerlich errichteten McDonalds oder hantieren mit Gras, Chrystal und ähnlichem. Schöne, alte Welt.
frag‘ mich jetzt bloß nicht was ich so vom leben hab, ich weiß es auch nicht nur wie gesagt, ne gute musik ne zigarette ein auto und den winter im rücken, und ja vielleicht jemanden dem ich davon erzähl, wenn es ihn interessiert, denn der versuch nichts zu erwarten ist der versuch meines lebens, der versuch nichts zu erwarten ist der versuch meines lebens
Mit Konzerten von d.h. verbinde ich nur Highlights. Ob es die Ansprachen eines engagierten und rotzbesoffenen Volly Tanner waren, ein Ausflug in den Bereich des Jazz mit tatkräftiger Unterstützung der Saitlinge oder die Record-Releases – das Grau, was einen umgab, rückte in den Hintergrund. Als Support oder in der Funktion als Booker bereicherten sie die Provinz; nein, sie brachten Teenager dazu, sich sechs Tage die Woche nach einem Miniatur-Konzertraum zu sehnen, der so verraucht war, dass es einem jedes Mal die Tränen in die Augen trieb. For the day, Nothing in Common, Wilde 13, Hidden in a box, The Minnie’s, die großartige Shutcombo, Turbostaat und selbst die christlichen Sozialdemokraten von Kettcar – um nur ein paar zu nennen.
In Leipzig spielten sie weiter groß auf, mit wachsendem Publikum und unbegrenztem Zuspruch. Die Fachpresse jubilierte, stellte sie auf eine Stufe mit Muff Potter und wartete, so wie die Band vielleicht selber auch, auf den Durchbruch. Durchbruch heißt hier: Verkaufszahlen jenseits der 500er Auflage. Vielleicht standen sie sich auch ein bisschen selbst im Weg. Nur widerwillig veröffentlichten sie ihre Musik nicht ausschließlich auf Vinyl wie zu Beginn sondern auf digital lesbaren Tonträgern. Alles kann, nichts muss.
und so warten wir gemeinsam weiter dass es endlich zu ende geht opfer von zeit und geist denen zu viel wind in die fresse weht
Irgendwas ging schief. Müßig, aus weiter Entfernung über die Gründe für die Auszeit* von d.h. zu fabulieren. Sicherlich spielen finanzielle, persönliche und vor allem zeitliche Gründe eine Rolle. Kegel, der Sänger, hat sich mittlerweile ne Geliebte angelacht, was der Rest macht weeß isch nisch. Gerade jetzt, wenn alljährliche familiäre Verpflichtungen anstehen und einen in die vergessene Welt zurück katapultieren macht es diese Musik erträglicher. Ein Gefühl von Heeme, etwas, auf das man nicht beschämt zurück blickt.
wonach soll man greifen wenn man keine arme hat, keiner gesehen keiner gehört, final showdown und schachmatt





