Archiv der Kategorie 'music was my first love'

Liebe Liebe Liebe

Here’s to you…

Als Café Morgenland vor nicht all zu langer Zeit in Hamburg gastierten, zitierten sie eine Textpassage von Franz Josef Degenhardt:

Dies‘ Lied ist für Rosemarie,
weil – bei der Kripo, da hat sie
einen einfach nicht wiedererkannt,
einen aus Morgenland.
Der war aus der Bank rausgerannt,
und die Pistole noch in der Hand,
lief auf sie zu, und sie blieb stehn.
Sie hat sein Gesicht gesehn.
Aber wie er jetzt so da stand
zwischen zwei Deutschen und an der Wand
mit diesem schrecklich verlorenen Gesicht,
sagte sie: Der war es nicht.
Rosemarie, bist nur Rentnerin,
und die Belohnung, die ist jetzt hin.
Aber du lachst und weisst, deinen Lohn,
hast du ja schon.

Unweigerlich hatte ich die Melodie im Ohr, die Nostalgie wich heute der Trauer über seinen Tod. „In dieser Epoche haben wir die Schlacht verloren. Aber es geht weiter. Ich hoffe da ganz auf unsere Enkel und Ur-Enkel.“ Er wird sicher ab und zu mal herunter schauen.

One year ago, ein Jahr wie eine Ewigkeit

Vor einem Jahr war ich erkältet, genauso wie heute. Vor einem Jahr hustete ich vor mich hin, schwänzte die Uni, bekam tagelang keinen Ton raus. Es regnete, in Hamburg als auch in Fürth. Vermessen, jetzt die Stunden abzuzählen, die ich am Stück wach war, hoher zweistelliger Bereich würde ich mal tippen. In der Retrospektive verschwimmt immer so viel. Mittlerweile rennen sie wieder in Rostock und in Braunschweig über den Rasen, in Augsburg und Berlin. Es ist so ungerecht.

Vor einem Jahr kombinierten wir uns durch die Strafräume, erfroren fast in Paderborn; Bielefeld war einer der Aufstiegsaspiranten und Deniz Naki interessierte sich für Fußball. Kleiner Vogel, flieg nicht zu hoch, im Prinzip begann die ganze Scheisse ab Mitte August. Hoffnung, Resignation, Demütigung ab März. Seht, wo wir gelandet sind.

Aber an diesem einem Tag, vor mehr als einem Jahr, da, ja da passte alles. Mehr ging nicht. Solche Tage kriegst du nicht im Abo, darauf arbeitet man irgendwie hin. Querverweis Derbysieg. Und wenn sie vorbei sind, die Musik verklingt und sich die Frage nach dem „warum-nicht-immer-so“ stellt, ist die einzig richtige wie konsequente Antwort: As tears go by.

Teams zerbrechen, Trainer gehen – nur die Bilder bleiben bestehen:

Hamburg ist braun-weiß

All die Eindrücke, all die Szenen, die seit gestern Abend Achterbahn vor dem inneren Auge fahren, können nicht schriftlich festgehalten werden. Mutig sind die, die es probieren und ich verweise an dieser Stelle gerne auf sie, ich lasse weiterhin alles wirken und klicke mich durch Videos, Bilder, Facebook und natürlich das Rauten-Forum.


(„Ich liebe den Verein. Ich liebe ihn wirklich. Das kommt zu 100 Prozent aus meinem Herzen.“)





Es ist alles gesagt.

Ist ja auch bald Mittwoch…

„Ich gehe nicht zu Altona. Was soll ich da? Und was soll das: Altona 93 als Gegenprojekt aufbauen? Was ist das für ein Scheiß, Alter?“

Dirk Jora und der FC Sankt Pauli – eine Liebesgeschichte mit Anlaufschwierigkeiten. Dicken stand ziemlich lange in der falschen Kurve, fand dank der Faschos dort den Weg ans Millerntor und ging nie wieder. Alles schon tausendmal gelesen? Weiß Dirk selber. Trotzdem ist es zwei Tage vor dem Hamburger Derby angenehmer, solch ein interview zu lesen als die Aussagen von Schulte oder instrumentalisierten Spielern, die bescheuerte Wette abschließen und die ganze Zeit das ewige Mantra „bloß keine Gewalt“ wiederholen. Auszüge des Interviews:

Heute sagen HSV-Fans häufig: »Hättet ihr doch was gemacht!« Warum habt ihr euch nicht gewehrt?

Dirk Jora: In der hundertsten Ausgabe vom »Übersteiger« (Fanzine des FC St. Pauli, d. Red.) durften auch Leute vom HSV zu Wort kommen, zum Beispiel die Ultragruppe Chosen Few. Und die pissten mich in ihrem Text genau mit diesem Satz an: »Hättet ihr damals…«. Nee, hätten wir nicht! Wenn der common sense in einem 50.000er Stadion rechts bis rechts-außen ist, was willst du da mit 30 Leuten machen? Da kriegst du richtig auf die Fresse. Natürlich haben wir es versucht, doch haben dann gemerkt, dass wir nicht nur die 50.000 Leute gegen uns haben, sondern auch die Vereinsführung, die überhaupt nichts hören und nichts sehen wollte.

Es heißt immer wieder: Einen Verein kannst du nicht wechseln. Trotz dem Frust beim HSV: Wie schwer fiel es dir Anfang der achtziger Jahre, dich emotional komplett zu lösen?

Dirk Jora: Es gibt heute noch viele Leute, die sagen: »Mensch Dirk, jetzt sei doch mal ehrlich: Du schaust doch immer noch nach dem HSV!« Ja, ich bin ehrlich, ich bin so abgeheilt, ich bin so braun-weiß wie man nur braun-weiß sein kann. Und das schon seit 25 Jahren. Es war ja auch nicht nur die Nazischeiße in der Kurve, es waren auch die Spieler, der Klub, dieses elitäre Gehabe. Da hast du sogar einen schwarzen Spieler in der Mannschaft, Jimmy Hartwig, und der macht Werbung für die CDU.

Viele Fans des HSV oder FC St. Pauli gehen in Hamburg zu Altona 93. Der Klub ist ihre Alternative zum Event des Profifußballs. Wie sieht es bei dir aus: Ist Altona auch für dich eine Option?

Dirk Jora: Ich gehe nicht zu Altona. Was soll ich da? Und was soll das: Altona 93 als Gegenprojekt aufbauen? Was ist das für ein Scheiß, Alter? Jedesmal wenn sie aufsteigen können, ziehen sie wieder zurück. Das ist doch alles Quatsch. Sowieso: Dieses ganze Gelaber von wegen »St. Pauli ist nicht mehr St. Pauli«. Meine Fresse! Da kannste auch sagen »Slime ist nicht mehr Slime « und »Punk ist nicht mehr Punk«.

Für dich ist die Kommerzialisierung eine Entwicklung, die nicht an Vereinen oder Bewegungen vorbei gehen kann?

Dirk Jora: Ich muss letztlich auch sagen: Ich bin Fußballfan und kein Pauli-Fan, ich hasse Pauli-Fans, denn Pauli-Fans ist es scheißegal, in welcher Liga ihr Klub spielt. Ich bin aber Fußballfan und Fan des FC St. Pauli, und ich will meinen Verein erfolgreich spielen sehen. Ich will einmal diese Gurkentruppe von Celtic Glasgow, meinen zweiten Verein, im Europapokal raushauen und dabei beide Spiele gewinnen.

Gurkentruppe? Du bist doch auch Celtic-Fan…

Dirk Jora: Digger, ich bin mit Celtic in 16 Ländern und in 26 Städten gewesen. Litauen, Helsinki, ich war überall, ich war in Sevilla beim Uefa-Pokal-Finale, natürlich ohne Ticket, aber mit 80.000 Leuten in der Stadt, die alle keine Karte hatten. Ich bin seit 20 Jahren Celtic-Fan. Celtic hat für mich beinahe denselben Stellenwert wie St. Pauli. Doch seit drei Jahren bricht Celtic mir das Herz. Was für eine furchtbare Gurkentruppe! Momentan verlieren die gegen Mannschaften, die in Deutschland sogar vom FC Ingolstadt auf die Fresse bekommen würden.

Rest gibt es hier.


Alles und Nichts

Bereit für Musik, die wirklich eklig klingt? Ich meine so richtig schlimm? Haltet noch kurz inne:
Afterchangeswearemoreorlessthesame meckert sich schon mal für’s Derby ein.
„Mein HSV“ heißt der neue Track der Sängers GANO, der zur Szene des HSV passt wie der Arsch auf den berühmten Eimer. Sneaker zu bedruckten Jeans, weißes Hemd mit schwarzem Mantel drüber und als Krönung diese Frisur…Oder alternativ ein Player-Lederjäckchen im Studio samt Goldkette (erinnert mich von der Deko übrigens schwer an das Zlatko-Video damals im Big Brother-Container). Alles sein wollen, nichts darstellen – HSV.
Optisch schon eine absolute Granate sind sein Gewimmere über den Rautenclub (dieser Text!) sowie die bemitleidenswerten Komparsen der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Als Krönung dürfen ihn die Frauen auf der Tribüne auch noch anschmachten – Schmerzensgeld bitte! Es gibt weit mehr als 100 Songs über den FCSP (80% Folk-Ska-Punk), worunter sich auch ganz schön viele Stücke tummeln, die nach fünf Sekunden bereits SKIP schreien. Auch alte ran-Sampler befinden sich in meinem CD-Regal. Aber keines der Lieder mit Bezug zum Fußball hat in mir einen solchen Ekel hervorgerufen wie das, was jetzt kommt. Bühne frei für den R-Kelly aus Pinneberg:

Gazzetta war nen Tick schneller

Wintersport

Mit viel utzutzutzutz, klickklickklick und auch ein bisschen dingeldingeldingel startet das neue Jahr im Bunker. USP lädt zur zweiten Auflage von „Keep Techno Ultrà“ – noch famoser, toller und grandioser als beim letzten Mal. afterchangeswearemoreorlessthesame wird sich auch blicken lassen und hofft, dass aus dem Öde&Gewöhnlich wenigstens für einen Abend wieder eine nette Location wird.

Fuck Barbara Streisand!

Jeden Morgen unter der Dusche! GRAU-EN-VOLL! Der Schaum im Haar passt zur Disse, in der sowas läuft. Daher der Gegenschlag: Duck Sauce Scheiße finden und sich trotzdem ein nettes Streetart-Video ansehen – zwei Fliegen, eine Klappe. Zu empfehlen auch die restlichen Spaziergänge 1-15. Lohnt! Viel hiesiger Ultra-Kram und restliche Hamburger Größen – OZ, Los Piratoz, 187ers etc.



Früher #3

wir sind die boxer taumelnd im kampf mit mr. schweinehund, ob blühende oder verendete landschaft hin oder her – kurze hose holzgewehr

Seit über einem Jahr kein Lebenszeichen. Kein Song, keine News, nichts. d.h. gingen leiser, als sie damals in meine musikalisch beschränkte Welt krachten. Lokalpatrioten mit Gitarren, Bass und Schlagzeug, denen die Herzen der jungen Punkrocker_innen nur so zuflogen. Gab ja sonst nüscht könnte ein Einwand sein, der würde jedoch hier zu kurz greifen. Musikalisch hatten sie ziemlich was drauf, die jungen Herren aus dem Großraum Zeitz.


Parolenfrei und melancholisch, eine teilweise heftige Tendenz ins Emotionale – einfach nur schön. Einflüsse von EA80 und den Boxhamsters ließen sich nicht wegreden, zu offen zeigten sie sich als Fanboys der eben genannten. Aus dunkeln Kellergemächern startend klapperten sie die Bühnen des Umlands ab, eine zusehends wachsende Anhängerschar bildete den Torso, auf dem Weg nach oben konnte also nichts mehr schief gehen. Zudem schufen sie mit Freund_innen und Bekannten eine Pilgerstätte, einen kulturellen und alternativen Anlaufpunkt, den diese Kleinstadt so bitter nötig hatte. Where did it all go wrong?

vollkommener stillstand und null bewegung, mehr als die hoffnung du weißt kann es nicht geben, als irgendwie den traum zu leben ohne vorher an idealen gescheitert zu sein, ende gelände baby, mir pisst so schnell keiner mehr ans bein

Das Leben und seine Begleiterscheinungen verlaufen nicht immer in den Bahnen, in denen man das so gerne hätte. d.h. entwuchsen (auch in musikalischer Hinsicht) recht schnell dem Kleinstadtmief. Als sie ihre Zelte in Leipzig aufschlugen war es nur eine Frage der Zeit, bis das von ihnen erbaute Kultur-Mekka in Zeitz zusammenfallen würde.


Daran konnte auch die musikalische Eins-zu-Eins-Kopie Trauma nichts ändern. Erst läuft alles normal weiter, dann improvisiert man und letztendlich prangt die Hommage „Ende Gelände“ auf der Außenfassade. Die Kids hängen nun wieder an der Jet-Tankstelle herum, essen Burger im neuerlich errichteten McDonalds oder hantieren mit Gras, Chrystal und ähnlichem. Schöne, alte Welt.

frag‘ mich jetzt bloß nicht was ich so vom leben hab, ich weiß es auch nicht nur wie gesagt, ne gute musik ne zigarette ein auto und den winter im rücken, und ja vielleicht jemanden dem ich davon erzähl, wenn es ihn interessiert, denn der versuch nichts zu erwarten ist der versuch meines lebens, der versuch nichts zu erwarten ist der versuch meines lebens

Mit Konzerten von d.h. verbinde ich nur Highlights. Ob es die Ansprachen eines engagierten und rotzbesoffenen Volly Tanner waren, ein Ausflug in den Bereich des Jazz mit tatkräftiger Unterstützung der Saitlinge oder die Record-Releases – das Grau, was einen umgab, rückte in den Hintergrund. Als Support oder in der Funktion als Booker bereicherten sie die Provinz; nein, sie brachten Teenager dazu, sich sechs Tage die Woche nach einem Miniatur-Konzertraum zu sehnen, der so verraucht war, dass es einem jedes Mal die Tränen in die Augen trieb. For the day, Nothing in Common, Wilde 13, Hidden in a box, The Minnie’s, die großartige Shutcombo, Turbostaat und selbst die christlichen Sozialdemokraten von Kettcar – um nur ein paar zu nennen.


In Leipzig spielten sie weiter groß auf, mit wachsendem Publikum und unbegrenztem Zuspruch. Die Fachpresse jubilierte, stellte sie auf eine Stufe mit Muff Potter und wartete, so wie die Band vielleicht selber auch, auf den Durchbruch. Durchbruch heißt hier: Verkaufszahlen jenseits der 500er Auflage. Vielleicht standen sie sich auch ein bisschen selbst im Weg. Nur widerwillig veröffentlichten sie ihre Musik nicht ausschließlich auf Vinyl wie zu Beginn sondern auf digital lesbaren Tonträgern. Alles kann, nichts muss.

und so warten wir gemeinsam weiter dass es endlich zu ende geht opfer von zeit und geist denen zu viel wind in die fresse weht

Irgendwas ging schief. Müßig, aus weiter Entfernung über die Gründe für die Auszeit* von d.h. zu fabulieren. Sicherlich spielen finanzielle, persönliche und vor allem zeitliche Gründe eine Rolle. Kegel, der Sänger, hat sich mittlerweile ne Geliebte angelacht, was der Rest macht weeß isch nisch. Gerade jetzt, wenn alljährliche familiäre Verpflichtungen anstehen und einen in die vergessene Welt zurück katapultieren macht es diese Musik erträglicher. Ein Gefühl von Heeme, etwas, auf das man nicht beschämt zurück blickt.

wonach soll man greifen wenn man keine arme hat, keiner gesehen keiner gehört, final showdown und schachmatt