Archiv der Kategorie 'Was willste machen, schießen darfste nicht'

Stil vor Talent Teil 1

Keine Ahnung, ob es überhaupt nen zweiten Teil der Serie gibt, werd ich mir in der langen Sommerpause mal überlegen. Beginnen möchte ich zunächst mit Rapid Wien:

Kennt ihr schon? Über Dativ und Akkusativ genügend mokiert? Ich kann mir sowas stundenlang angucken.

Auf das zweite Bild hat mich ein guter Freund aufmerksam gemacht, es grüßen die Lost Boys Jena:

Natürlich steht es jedem frei, mit seinen Kumpels vom Bratwurst-Stand in Bundeswehr-Klamotten und Bluttüchern der Judenvernichtung um den Hals einfach mal ne Runde im Wald ballern zu gehen. Dies ist bekanntlich nicht nur thüringischer Volkssport, sondern im Speziellen auch eine Passion der Jugend von Jena. Ob sowas dann online gestellt wird, ist wohl eine Frage des Geschmacks.

afterchangeswearemoreorlessthesame wünscht eine schöne Sommerpause. Und verliert bloß nicht euren Enthusiasmus:

Der Inhalt der MOPO vom kommenden Montag schon heute!

Sollte es zu den befürchteten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern des FC St. Pauli und Hansa Rostock einerseits und der Polizei andererseits kommen, wird ein weiteres Mal die übliche Leier aus Ignoranz und Polemik von Behörden und Medien abgespult werden: Die Gewalt wird als „neue Eskalationsstufe“ oder „Bürgerkriegsszenario“ bezeichnet werden, Polizeivertreter werden „härtere Maßnahmen“ und „strengere Gesetze“ die Politik wird verurteilen und die Vereine „in die Pflicht“ nehmen wollen, die sich ihrerseits „erschüttert“ von der Gewalt „distanzieren und diese selbstverständlich ebenfalls verurteilen“ werden. Man kann getrost ein Monatsgehalt darauf setzen, dass die entsprechenden Pressemitteilungen, Statements, Polizeiberichte und Artikel für Montagmorgen schon vorgeschrieben auf den Festplatten liegen.

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„…und es muß gesagt werden“

Knapp 17 Jahre hat Günther Grass also gebraucht, um auf Marcel Reich Ranicki’s Kritik im Spiegel im Bezug auf sein „Werk“ Ein weites Feld adäquat zu antworten.

Kreativität lässt der alte Mann von der Waffen-SS schon im Titel vermissen, eine inhaltliche Kritik am stereotypen Antisemitismus seines neuesten Israel-Gedichts kann ich mir sparen – Reich Ranicki’s Festsstellung(en) zur Person Grass haben eine nie verlorene Gültigkeit:

Wahrscheinlich sind Sie auf diese Leistung besonders stolz, ich hingegen würde auf sie gern verzichten. Seit bald 40 Jahren habe ich eine Schwäche für Ihre hämmernde, Ihre unverwechselbare Diktion in der Prosa und auch in der Lyrik, und es tut mir leid, daß es Ihnen jetzt offenbar Spaß macht, bisweilen mit verstellter Stimme zu sprechen. Überdies entsteht durch diese Textmischung ein etwas riskantes Durcheinander. Ich will Ihnen ein Beispiel geben. In einem Brief Ihres Fonty heißt es: „Alles, was sich deutsch nennt, wird vom Mittelmaß beherrscht.“ Das ist dumm und ärgerlich.

Nun bin ich in dieser Hinsicht besonders empfindlich: Seit mir zum ersten Mal ein antisemitischer Satz an den Kopf geschmissen wurde – ich war noch ein Kind, und es war in einer deutschen Schule –, fürchte ich nationale und ähnliche Verallgemeinerungen. Wir wissen ja, wohin das geführt hat. Jetzt, mein lieber Günter Grass, werden Sie vielleicht triumphieren: Ätsch, ätsch – reingefallen. Denn dieser Satz über die deutsche Mittelmäßigkeit, werden Sie eventuell sagen, ist gar nicht von mir, sondern von unserem großen Fontane. Mag ja sein, ich bin da nicht sicher. Nur: Unsinn bleibt Unsinn.

Fontane war ein Schnellschreiber, dem (gar nicht so selten) auch ein törichtes Wort aus der Feder geflossen ist, zumal in seinen zahllosen Briefen. Mit Fontane-Zitaten hat man schon viel Unheil angerichtet, übrigens auch im Dritten Reich. Kurz und gut: Es wäre besser, Sie spielten mit offenen Karten, dann könnten wir nie auf die unangenehme Idee kommen, Sie wollten uns, sich bei Fontane reichlich bedienend, ein wenig übers Ohr hauen.

Die Sehnsucht nach der deutschen Stärke, die Enttäuschung über die Wiedervereinigung, eine halbgare Abrechnung mit der DDR – Grass hatte stets eine unerklärbare, öffentlichkeitswirksame Meinungsmacht. Dass seine zunehmend geschichtsrevisionistischen und antisemitischen Auslassungen und Werke der späten 1990er/frühen 2000er lediglich etwas mit dem Konflikt zwischen ihm und Reich-Ranicki zu tun haben ist mir hier zu billig, schließlich wollte sich auf diese Scholle schon der Parade-Antisemit Martin Walser retten. Reich-Ranicki schweigt auf Anfrage zu den neuesten Auslassungen. Wozu auch noch einmal Sätze von vor 17 Jahren wiederholen, wenn alles bereits gesagt ist:

Sie wissen nicht, wovon Sie reden.

Hass Hass Hass

Beim aktuellen Präsidium des FC St. Pauli ist es meistens am Besten, wenn es im Verborgenen arbeitet, dort, wo keine Kommunikation nach Außen möglich ist. Kaum ist der Teilausschluss von Zuschauern rechtmäßig abgewendet, wird schon wieder appelliert, und zwar genau an die Falschen. Dass der DFB mit seinen realitätsfernen Urteilen der vergangenen Wochen und Monate, im Bezug auf den FCSP und andere Clubs, sich ein Eigentor nach dem anderen schoss, findet keine Erwähnung. Stattdessen wird in vorauseilendem Gehorsam und mit dem Allzweck-Horrorszenario „Geisterspiel“ eine seltsame Rechnung aufgestellt:

Das Werfen von Gegenständen und Zünden von Pyrotechnik hat den Club in dieser Saison rund 500.000 Euro gekostet.
Man hätte auch schreiben können: Zwei Volltreffer (einer mit nem Becher, einer mit ner Kassenrolle) und etwas Pyro – schon geriet der DFB außer Rand und Band. Steht da aber nicht. Es endet viel mehr mit einem frommen Wunsch:
Jetzt sind alle gefragt! Helft mit, dass so etwas beim FC St. Pauli nicht mehr passiert und repräsentiert den Verein so wunderbar wie bei den letzten Heimspielen.
Solch Populismus gefällt MoPo, Facebook und Forum bestimmt gut, führt den nach dem Schweinske-Cup eingeführten Weg des offenen Dialogs zwischen aktiver Fanszene und Verein ad absurdum. Stattdessen dürfen Paadie-Paulianer Blockwart spielen. Wenn das nächste Mal nen Bengalo brennt, überweise ich gerne 5 Euro. Damit sich das Präsidium nach dem folgenden Prozess in Frankfurt nen Eis und ne Packung Taschentücher kaufen kann.

„Mehr kann man mit St. Pauli nicht erreichen: Zwei Mal aufgestiegen und vier Punkte gegen den HSV.“

Wer sich angeblich wünscht, nach Ingolstadt zu wechseln, dem muss die derzeitige sportliche Leitung des FC St. Pauli heftig auf die Eier gehen, um in deinem Jargon zu bleiben, Ralle. Grob über den Daumen gepeilt braucht man für die Strecke um die sechs Stunden, ich bin sicher, du schaffst es in viereinhalb. Mach`s gut!

Was Sven vergessen hat:

Wo sich Brux und Nase(n) „Gute Nacht!“ sagen: afterchangeswearemoreorlessthesame feat. Toni Gottschalk

„Jena das ist Fußball, wir sind eine Gemeinschaft…“

Grundlage dieses unbeholfenen Tracks ist dieser Beitrag des ZDF:

Respekt und Mitleid gehen an Katharina König von der Linkspartei, die sich über zwei Stunden mit der ostdeutschen Volksgemeinschaft auf der Bühne und vor dem Gebäude herumschlagen musste.

Eine Stadt, die solche Bürger hat, braucht auch keine Nazis mehr.“

Word.

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Frohes Neues aus Schalalanien

Werte Leserschaft, 2012 ist noch keinen ganzen Tag alt, ich hoffe, ihr seid alle gut im letzten Jahr der irdischen Existenz angekommen. Nächtes Jahr um die Zeit sitzen wir alle in der Maya-Hölle. Aber genug der trüben Gedanken, lasst uns herzhaft lachend ins neue Jahr starten. Und für Comedy ist auf diesem Blog meist die CFHH verantwortlich. So auch dieses Mal. Da sich die Rauten an ihrem 0815-Einheitbrei selber gar nicht satt sehen können, erscheint demnächst SCHON WIEDER eine Kurven-DVD. Nimmt das denn niemals ein Ende…

„THE RHYTHM OF MY LIFE“ heisst der Quatsch, vom Inhalt ist alles ja weitestgehend bekannt aus bisherigen Publikationen: Schalala, Klatsch Klatsch, Hier kommt Hamburg, Pyro, Schalalala, Schalalalala, Schalalala. In einem unterscheidet sich die DVD aber von ihren Vorgängern: Waren deren jeweilige Trailer langweilige anderthalb bis zweiminütige Zusammenfassungen des Gesamtwerkes, wurde dieses Mal kurzerhand der Trailer des Leipziger Graffiti-Films „FAST DRIPS“ eins zu eins geklaut.

Chapeau für soviel dümmliche Einfallslosigkeit!

Gemeinsame Erklärung

Liebe St. Pauli, liebe Hansa-Gremien,

wenn am Sonnabend Hansa Rostock den FC St. Pauli empfängt, wird es auf dem Rasen und auf den Rängen hoch her gehen, sofern alle Menschen, die ein Ticket für diese Partie erworben haben, das Stadion überhaupt erreichen. Denn leider wurden die Spiele der beiden Mannschaften in den letzten Jahren von gewalttätigen Repressionsgebaren der Polizei überschattet.

Es hat sich immer häufiger gezeigt, dass diese Menschen solche Spiele nutzen, um ihre fanfeindliche(n) Ideologie(n) zum Ausdruck zu bringen. Die gesteigerte Aufmerksamkeit der Medien an dieser Partie wird dabei genutzt, um sich durch provozierte, willkürliche und gewalttätige Auseinandersetzungen mit Fußballfans zu profilieren. Deshalb fordern wir alle Fans auf, nicht wegzuschauen, sondern sich aktiv gegen diese Leute zu stellen. Denjenigen, die aus Rivalität kriegsähnliche Zustände herbei phantasieren wollen, müssen von den Clubs und den vernünftigen Fans im Stadion, die die große Mehrheit ausmachen, unmissverständlich Grenzen aufgezeigt werden.

Randale, Gewalt und Rassismus sollten stets getrennt voneinander verhandelt werden, um die gesellschaftlich reproduzierten Ausgrenzungsmechanismen des Rassismus nicht zu verwässern. Diese gilt es zu bekämpfen, im Stadion als auch in der Gesellschaft.
Lasst uns gemeinsam alles dafür tun, dass es ein spektakuläres und hochspannendes Fußballspiel wird, welches jede/r miterleben kann, um für eine tolle Atmosphäre auf den Rängen zu sorgen.

Afterchangeswearemoreorlessthesame
Lichterkarussell

Frei nach „Gemeinsame Erklärung des FC St. Pauli und des FC Hansa Rostock“

Postskriptum

Die Formulierungen in der Erklärung der Vereinsfunktionäre sind eine bodenlose Frechheit. Als ob sie es nicht besser wüssten, wird davon gesprochen, „dass Menschen solche Spiele nutzen, um ihre demokratiefeindlichen Ideologien zum Ausdruck zu bringen.“ Die Gremien, und das kreiden wir besonders unserem Präsidium an, begeben sich mit dieser Aussage in unangenehme Nähe des bundesweiten Trends zur „Extremismustheorie“. Antifaschistische Selbstverständlichkeiten werden hierbei mit Rassismus als „Formen des Extremismus“ gleichgesetzt – ist ja beides extrem, also schlecht. Was inhaltlich hinter der politischen Agitation steht, wird dabei gänzlich außer acht gelassen und so führt diese krude Ansicht zu einer mehr als gefährlichen Relativierung, als wären Menschenleben mit ausgebrannten Autos aufzuwiegen, als wäre eine menschenverachtende Ideologie das gleiche, wie der Kampf um lebenswerte Umstände. Über 25 Jahre der politischen Fanszene haben offenbar nicht gereicht, die elementarsten Grundverständnisse linker Gedanken in den Köpfen unserer gewählten Vereinsvertreter zu verankern.

Und wo wir gerade dabei sind unseren Clubvertretern „Rügen“ auszusprechen sei der Hinweis auf deren jüngste Unverschämtheit erlaubt: Kameras im Sonderzug?
In der Logik der Quotenschacherei ist es nur allzu sinnvoll, gerade dieses Spiel zu begleiten. Dass es dabei um das Fröhliche und Positive der Fankultur gehen soll, darf bezweifelt werden. Wir hoffen, dass kein Sankt Pauli Fan Kameras in unseren Sonderzügen, auf unseren Auswärtsfahrten, in unseren Freiräumen akzeptiert! Dass wir kein Projekt unterstützen, das sich dazu eignen soll, die mediale Hetze zu befeuern und die Sau der Fußballfankultur das x-tausendste Mal durch’s Dorf zu treiben.
Unabhängig dessen, dass der Film scheinbar die Unterstützung der Vereinsvertreter erhält; was „der Verein“ mit Angelegenheiten der Fans zu tun hat steht auf einem ganz anderen Blatt und wie gering die Empathie seitens der Vereinsvertreter für Fanbelange zu sein scheint, haben sie ja mit der gemeinsamen Erklärung erneut beweisen können. Kein Mitglied der Vereinsführung kann entscheiden, was in Punkto Fanbelange unterstützenswert ist und was nicht.

Die Widerwärtigkeit als Lebensaufgabe

Eigentlich sollte dieser Eintrag mit den Sätzen beginnen: „Lieber Jürgen Elsässer, lieber Gerhard Wisnewski, ich weiß, euch jucken die Finger, es brennt euch unter den Nägeln, die rechtsradikalen Attentäter als Attrappen des Verfassungschutzes darzustellen und dahinter wieder die große Verschwörung zu wittern. Bitte, verhaltet euch nur ein einziges Mal pietätvoll.“ Anschließend wollte ich kurz darauf eingehen, dass aufgrund der Undurchsichtigkeit und fehlerhaften Ermittlungen, die in den letzten Tagen in der Presse kolportiert wurden, zumindest die Rolle des thüringer Verfassungschutzes kritischer betrachtet werden sollte. Doch das Leben findet nicht im Konjunktiv statt und zumindest eine der genannten Personen ist an Widerwärtigkeit nicht zu übertreffen. Elsässer hat schon wieder seine Zeugen gefunden, und die berichten unglaubliches:

Die beiden Zwickauer haben mit den Döner-Morden nichts zu tun. Sie wurden in ihrem Wohnmobil ermordet (Zeugen sahen einen Mann rauskommen), anschließend wurden ihnen alle möglichen Beweise untergeschoben. Um einen großen Fall zu konstruieren. Möglich ist aber auch Theorie d): Die Zwickauer waren noch nie Nazis. Sie waren und blieben bis zum Schluss Staatsagenten. Deswegen wurden jetzt auch professionell gemachte falsche Alias-Personalpapiere bei ihnen gefunden, die ihnen der Staatsschutz zur Verfügung gestellt hat. Die Zwickauer wurden in den neunziger Jahren in der rechten Szene eingesetzt. Nachdem das nichts mehr gebracht hat, wurden sie aus der rechten Szene abgezogen. Seither waren sie an einem GANZ ANDEREN Fall dran, und auf diesen Fall geht ihe Ermordung zurück. Über diesen Fall wird nicht gesprochen …

Alle bekannten Attribute zu Elsässer mögen auch hier wieder greifen: verrückt, gestört, nicht mehr alle Latten am Zaun, immer wieder die selbe Leier. Das nervige an Verschwörungstheoretikern ist nur, dass ihnen stets eine gewisse Anzahl von Leuten auf den Leim geht, die aus einer diffusen Ablehnung gegenüber „dem Staat“ eine Religion gemacht haben und hinter jedem und allem DIE große Verschwörung wittern. Dieser Sumpf lässt sich nicht trocken legen, da können Daniel Kulla oder Jon Ronson noch so viele Bücher schreiben. Denn sie greifen das Gefühl des Zweifelns auf und machen daraus eine absurde Agenda um Inside-Jobs, dunkle Mächte und „die da oben“. Es mag ebenfalls naiv sein, sich zu erhoffen, dass Jürgen Elsässer angesichts einer solchen nationalistischen Blutspur einmal den Mund hält. Stattdessen offenbart er lieber, was für ein rassistisches Dreckschwein er ist:

Diese drei Würstchen sollen nicht nur eine Polizistin am hellichten Tag ins Gesicht geschossen haben, sondern auch noch neun Döner-Türken inclusive einem Griechen, auch am hellichten Tag?

In politisch aufgebrachten Zeiten halte ich mich mit radikal-gewaltätigen Absichtsformulierungen zur Person Elsässer lieber zurück, denn wer eine solche Schizophrenie täglich aushalten muss, der sollte schon genug gestraft sein, könnte man meinen. Doch das Leben ist bekanntlich kein Konjunktiv.